Filmfestspiele in Cannes
Goldene Palme bleibt in Frankreich

Mit der Verleihung der Goldenen Palmen endeten am Sonntag die 61. Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Überraschend konnten sich französische und italienische Filmemacher die wichtigsten Preise sichern. Doch auch die deutschen Beiträge gingen nicht leer aus.
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HB CANNES. Am Sonntag sind die 61. Internationalen Filmfestspielen von Cannes mit der Preisverleihung zu Ende gegangen. Nach über 20 Jahren wurde die Goldene Palme wieder an einen französischen Film verliehen. Gewonnen hat den Preis der Film „Entre les murs“ von Laurent Cantet. Das Votum der Jury für diesen Film bestätigt die Ansage vom Beginn der Filmfestspiele. Politisches Bewusstsein hatte der Juryvorsitzende Sean Penn gefordert. Weiter sagte er, er wolle ein Kino sehen, dass sich „den Problemen der Zeit widmet und die Wirklichkeit abbildet.

Der Siegerfilm beschäftigt sich mit der Problematik von Jugendlichen aus Einwandererfamilien in den Pariser Vororten. Der Film folgt dem Alltag des Klassenlehrers Francois, der immer wieder gegen aufmüpfige 14- bis 15-jährige Schüler ankämpfen muss. Während viele seiner Kollegen schon frustriert aufgegeben haben, macht er weiterhin engagiert weiter. Laurent Cantet hat viele Szenen und Dialoge mit seinen Laiendarstellern geduldig in Workshops erarbeitet, dadurch wirken seine Bilder sehr authentisch.

Auch Italien konnte nach vielen enttäuschenden Jahren wieder einen Preis gewinnen. Der „Große Preis“ der Jury wurde an das realistische Drama „Gomorra“ von Matteo Gallo verliehen. Die bitterböse Satire zeigt mit viel politischem Biss die lähmende Regierungszeit von Giulio Andreotti und dessen Mafia-Kontakte. Das Problem ist angesichts der Müllkrise in Neapel auch sehr aktuell.

Bester Hauptdarsteller wurde erwartungsgemäß Benicio Del Toro für seine Darstellung des Revolutionsführers Ernesto Che Guevara in Steven Soderberghs mehr als vierstündigem Film „Che“. Der in Puerto Rico geborene Del Toro widmete die Auszeichnung seinem historischen Vorbild Guevara.

Als beste Darstellerin wurde die Brasilianerin Sandra Corveloni ausgezeichnet. Sie spielt in dem Drama „La linha de passe“ von Walter Salles eine alleinerziehende Mutter, die verzweifelt versucht, ihren Söhnen einen erträglichen Start ins Leben zu ermöglichen.

Der deutsche Beitrag „Palermo Shooting“ von Wim Wenders ging im Wettbewerb leer aus. Der einzige deutsche Beitrag der prämiert wurde war der mit dem „Herzschlag-Preis“ der Jury ausgezeichnete Film „Wolke 9“ von Andreas Dresen. Der Film erzählt eine leidenschaftliche und tragische Liebesgeschichte zwischen alten Menschen in Berlin.

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