Filmkritik von der Berlinale: Idiotenliebe mit Happy End

Filmkritik von der Berlinale
Idiotenliebe mit Happy End

An dem neuen Film "Amor idiota - Idiot Love" des spanischen Regisseurs Ventura Pons scheiden sich die Geister: Die einen finden ihn schlicht belanglos und langweilig, anderen ist er zu obszön. Manch einer versteht ihn allerdings auch so, wie er gemeint ist: Als eine Liebeserklärung an den Menschen mit all seinen Schwächen und seine romantische - man kann auch sagen idiotische - Hoffnung, die Liebe könne ihn von diesen erlösen.

HB BERLIN. Wenn Ventura Pons einen Film dreht, dann selten über normale Leute, und meistens über universale Themen wie Liebe, Sex und andere Laster. Auch bei seinem diesjährigen Beitrag zur Berlinale geht es wieder um die Liebe. Allerdings in ihrer extremen Form, die Obsession. Es ist übrigens der siebte in Folge, womit Pons einen Berlinale-Rekord aufstellt.

Protagonist Pere-Lluc (Santi Millán) ist ein Loser, und das eigentlich recht gern. Er spricht von sich selbst als Idioten, driftet ambitions- und bindungslos durchs Leben. Das ändert sich schlagartig, als er eines Tages mit dem Kopf an die Leiter der sexiesten Plakatkleberin Barcelonas stößt und verliebt in die Knie sinkt. Denn diese Plakatkleberin namens Sandra (Cayetana Guillén Cuervo) ist nicht nur aufreizend schön, sondern - wie es die Tragik seines Lebens verlangt - auch glücklich verheiratet. Da bleibt dem Antiheld nichts anderes übrig als sie ganz á la Hitchcock auf Schritt und Tritt zu verfolgen um so wenigstens in den Genuss ihres Anblicks zu kommen.

Natürlich ertappt sie ihn bald auf frischer Tat und er bezieht eine kräftige Tracht Prügel. Doch er wäre kein Idiot, würde er daraus eine Lehre ziehen. Und so haftet er sich weiter an ihre Fersen und begleitet sie bei ihrer Arbeit durch das nächtliche Barcelona. Ihr anfänglicher Widerstand beginnt zu bröckeln, es entspinnt sich eine verrückte amour fou. Barcelona wird zur Kulisse der beiden Liebenden, jedes Versteck muss für ein leidenschaftliches Stelldichein herhalten.

Als Pere-Lluc beginnt, von Kindern und Liebe zu sprechen, beendet sie die Beziehung, er fällt zurück in Lethargie und Einsamkeit. Was den Idioten auszeichnet, so bekennt der Protagonist denn auch freimütig, ist, dass er durch Erfahrung nicht weiser wird. Nur älter.

Kämpfen für die Liebe

Selbstironische Kommentare wie diese begleiten den Film hindurch. Der Idiot lässt sein weises Über-Ich zu Wort kommen, doch er hört nicht auf dieses. Doch Ventura Pons meint es gut mit seine Figuren: Eine ältere Frau (pikanterweise ausgerechnet die, mit der Pere-Lluc seine Trauer im Bett zu vergessen suchte) gibt ihm schließlich folgenden Tipp: "Wenn eine Frau sich nicht meldet, obwohl sie es versprochen hat, dann kann das nur zwei Gründe haben: Entweder sie will wirklich nicht von dir wissen. Oder sie will, dass du Deinen Hintern hoch bekommst und sie befreist." Derartig gut beraten nimmt Pere-Lluc sich nicht einmal mehr die Zeit, sich richtig anzuziehen...

Selbstverständlich ist das der Anfang des Happy Ends.

Zugegeben, die Story ist weder besonders neu, noch besonders ergreifend. Es ist auch nicht besonders glaubwürdig, dass eine derart attraktive Frau mit einem Loser wie Pere-Lluc durchbrennt. Es fällt einem ja schon schwer, die Story dahingehend abzunehmen, dass eine Frau sich in ihren Stalker verlieben kann.

Vielmehr geht hier wohl eher ein ziemlich sentimentaler Männertraum in Erfüllung: Superbabe verliebt sich in Dich, auch wenn du ein Nichts bist und nichts kannst. Außer Deine Eigenschaften im Bett zu beweisen natürlich. Aber der Film ist ja auch ein Märchen.

>>> Aktuelle Bilder von der Berlinale 2005

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