Filmkritik
Wer gehört hier zum alten Eisen?

Regisseur Paul Weitz erzählt in dem Wettbewerbsbeitrag "In good Company" ein Kapitalismus-Märchen. Dabei schlägt er ausgetretene Pfade ein: Jungspund verdrängt altes Eisen, altes Eisen kämpft, droht jedoch zu resignieren: angesichts altersbedingt kräftemäßiger Unterlegenheit. Und dann - kommt alles doch noch ganz anders...

HB BERLIN. "In guter Gesellschaft" fühlt sich der 51-jährige Anzeigenleiter Dan Foreman (Dennis Quaid) einer Sportillustrierten mit seinem neuen Chef Carter Durya (Topher Grace) nicht gerade: Der ist nämlich nur halb so alt wie er und trumpft mit neunmalklugen Weisheiten direkt aus Harvard auf. Ägerlicherweise auch noch mit großem Erfolg. So wird Dan als erstes vom "boss man" zum "wing man" degradiert und muss hilflos mit ansehen, wie seine ganze Abteilung restrukturiert wird. Wobei man "restrukturieren" getrost mit halbieren übersetzen kann.

Dan bleibt nichts übrig als zu hoffen, dass das Unwetter über ihn hinweg zieht. Denn Dan darf auf gar keinen Fall seinen Job verlieren: Seine Frau erwartet trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch einmal ein Baby und Lieblingstöchterchen Alex (Scarlett Johansson) will trotz ihres so wenig fortgeschrittenen Alters von 18 Jahren ausziehen um zu studieren. Ausgerechnet an der von Marihuana rauchenden Studenten nur so wimmelnden und trotzdem ein Vermögen kostenden NYU...

Und Dans Pechsträhne hält weiter an: Gerade, als er sich mit seinem neuen Status des Wing Mans einigermaßen arrangiert hat, muss er entdecken, dass sein neuer Boss Carter (Jungstar Topher Grace) ihm nicht nur beruflich den Rang abgelaufen hat, sondern auch privat: Seit Alex zu Hause ausgezogen ist, straft sie ihren armen Vater mit kommunikativer Abstinenz. Kein Wunder, zum Telefonieren hat sein Augenstern auch keine Zeit mehr: Die beansprucht schon ihr neuer Liebhaber Carter Durya.

Als Dan dahinter kommt, reicht es ihm endgültig: Er haut seinem dynamischen Jung-Boss dynamisch eine rein. Auch auf der Arbeit traut er sich endlich, seine Stimme zu erheben. So bringt er das ganze Team zum Zittern, indem er lautstark für ein Management plädiert, dass sich nicht einseitig an Zahlen, sondern auch am Menschen orientiert.

Altes Eisen rostet nicht

Wie so oft in Hollywood, tragen die Verlierer zum Schluss den Sieg davon: Dan bekommt seinen Chefsessel zurück und Carter - dem seine Tochter zuvor noch den Laufpass gegeben hat - landet auf der Straße. Wer jetzt aber denkt, hier handele es sich um eine seichte Hollywoodkomödie á la "Ende gut, alles gut", der irrt. Regisseur Paul Weitz, unter anderem bereits als Drehbuchautor von "About a boy" und Co-Regisseur von "American Pie" erfolgreich, inszeniert mit "In Good Company" ein ernstes Thema auf überaus witzige und, man staune, sehr hintergründige Art und Weise.

Seine neue Komödie steht dem Kassenknüller "About a boy" in nichts nach. Weitz beweist mit seinem rundum gelungenen Drehbuch, dass er sich als Autor nicht hinter Erfolgsautoren wie "About a boy"-Co-Autor Nick Hornby verstecken muss.

Er versteht es, mit seiner Geschichte nicht nur den Nerv einer Zeit zu treffen, in der allzu einseitiges Rationalisierungskalkül den Sieg über die soziale Verantwortung des einzelnen davonträgt, sondern ganz nebenbei auch noch eine weise Geschichte über das Altern und die Liebe zu erzählen.

Gefragt, ob Quaid auch in Hollywood Probleme mit dem Altern habe, zeigte sich Quaid auf der Berlinale gelassen: "Ich denke, Drogen und plastische Chirurgie werden das regeln", antwortete er mit einem breiten Grinsen. Um hinzuzufügen, dass es ihm - anders als auf dem normalen Arbeitsmarkt üblich - eigentlich immer besser gehe. Und die Moral von der Geschicht? Altes Eisen rostet nicht.

>>> Aktuelle Bilder von der Berlinale 2005

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