Filmrezension „Auge um Auge“
Todeskämpfe in einer sterbenden Stadt

Hochkarätige Besetzung und Faustkämpfe vor der Szenerie der Hochöfen als Symbol des einstigen Wirtschaftsbooms: „Auge um Auge“ zeigt die Perspektivlosigkeit der US-Stahlindustrie, die einen Mann in den Abgrund treibt.
  • 0

DüsseldorfErst war der Ort, dann der Film: Die siechende, ehemalige Industriehochburg Braddock in Pennsylvania inspirierte Scott Cooper so sehr, dass sein neuester Film unbedingt dort spielen musste. Dafür modelte der „Crazy Heart“-Regisseur extra das Drehbuch für „Auge um Auge“ um, dass eigentlich schon für Regie-Kollege Ridley Scott und Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle vorgesehen war.

Er verpflanzte die Geschichte eines rachedurstigen, vom amerikanischen Traum erst beseelten und dann verlassenen Ex-Knackis in den vom Industrie-Glück verlassenen Norden der USA. Dort sucht Christian Bale in der Hauptrolle als Russel nach seinem verschwundenen Bruder (Casey Affleck). Dessen Leben ist durch seinen Einsatz im Irak-Krieg vollkommen aus den Fugen geraten.

Wie schon sein Vater arbeitet Russel im Stahlwerk in der Kleinstadt Braddock in Pennsylvania. Einst blühte die Region durch den Wirtschaftsboom der Schwerindustrie, nun ist das Ende des gesamten Industriezweigs abzusehen.

Dennoch hält Russel an seinem Traum fest, durch ehrliche, harte Arbeit sich und seiner Freundin Lena (Zoe Saldana) eine sichere Zukunft zu ermöglichen. Das labile Konstrukt seines Lebensentwurfs kollabiert, als Russel angetrunken eine Mutter und ihr Kind totfährt. Er landet im Knast.

Damit ist Russels jüngerer Bruder Rodney (Casey Affleck) endgültig auf sich allein gestellt. Nachdem der Soldat von seinem bereits vierten Irak-Aufenthalt zurückkehrt, treiben ihn posttraumatische Belastungen in einen undurchdringlichen Kreislauf aus Alkohol, Wetten und Schulden.

Um Letztere abzubauen, schlägt er den Vorschlag seines Bruders, ebenfalls im Stahlwerk zu schuften, in den Wind. Er will durch illegale Faustkämpfe das schnelle Geld für seine kriminellen Gläubiger zusammenkriegen.

Dabei kommt Rodney jedoch Harlan DeGroat (Woody Harrelson), dem Anführer einer brutalen Gang, in die Quere. Nachdem Rodney bei einem von DeGroat organisierten Kampf mit Absicht verlieren soll, verschwindet er spurlos. Als Russel seine Zeit im Gefängnis abgesessen hat, nimmt er die Suche nach seinem Bruder auf.

Kommentare zu " Filmrezension „Auge um Auge“: Todeskämpfe in einer sterbenden Stadt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%