Filmrezension „Dallas Buyers Club“: Wie ein Macho zum illegalen Medikamentenhändler wird

Filmrezension „Dallas Buyers Club“
Wie ein Macho zum illegalen Medikamentenhändler wird

Matthew McConaughey ist als gefallener Lebemann ein Favorit auf die Oscars. Den Globe hat er schon bekommen für seine Verkörperung des Ron Woodroof, der getrieben vom eigenen Schicksal illegal mit Medikamenten handelt.
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DüsseldorfDallas, im Juli 1985: Ron Woodroof (Matthew McConaughey), Elektriker und in seiner Freizeit Rodeo-Cowboy, lässt wirklich nichts aus. Drogen, Glücksspiel, Frauen. Sein Leben gleicht einem Rausch, von der einen extremen Erfahrung rutscht er in die nächste.

Bis er eines Tages durch einen Arbeitsunfall im Krankenhaus landet. Dort stellen die Ärzte allerdings keine Verbrennungen fest – sondern teilen Ron sein Todesurteil mit: HIV, im besten Fall bleiben dem Lebemann noch 30 Tage.

Dieser Schlag sitzt. Bis dahin fühlt sich „Dallas Buyers Club“, das neueste Werk von Jean-Marc Vallée („C.R.A.Z.Y.“) tatsächlich an wie eine große Party in Nahaufnahme. Doch auf einmal ist diese Sause vorbei, Ron steht vor den Scherben seines wilden Lebens.

Zuvor hatte er sich noch über die Aids-Erkrankung des Hollywood-Schauspielers Rock Hudson lustig gemacht, samt homophober Sprüche im Übermaß. Und nun soll er selbst an der von ihm so genannten „Schwulenpest“ erkrankt sein?

Erwartungsgemäß möchte er das nicht wahr haben, er eskapiert im großen Stil und versucht, sein altes Leben so fortzuführen, wie es war. Das gelingt ihm genau bis zum nächsten Zusammenbruch – begleitet von einem Summton, der ins Mark geht.

Große Stilmittel dieser Art setzt der franko-kanadische Regisseur so sparsam ein, dass sie umso mehr wirken. Fortan ist „Dallas Buyers Club“ in Kapitel eingeteilt, die jeweils einen Tag von Rons 30-tägigen Kampf gegen den Tod darstellen.

Nun kann selbst Ron dem Unvermeidbaren nicht mehr aus dem Weg gehen. Nach kurzer Resignation nimmt er den Kampf auf. Bei seinen Recherchen stößt er auf das Heilmittel AZT, das sich allerdings noch in der Testphase befindet.

Über illegale Wege kommt Ron dennoch an das Mittel – mit dem Ergebnis, dass es ihm noch schlechter geht. An Tag 29 wirkt der Kampf verloren, der Freitod scheint Rons letzter Ausweg zu sein.

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  • Dallas Buyers Club stellt transsexuelle Frauen stereotyp so dar, wie sie nicht sind: Transsexuelle Frauen sind Frauen, keine Männer. Dallas Buyers Club ist eine schäbige Aussensicht auf eine transsexuelle Frau. Eigentlich empörend, dass dies niemanden empört. Aber verständlich in einer Gesellschaft, in der Stereotype und Aussenzuweisungen alltäglich sind und das blinde Abnicken heteronomer Tendenzen zum Erfolgsfaktor zu gehören scheint.

    In den 50ern gab es in Frankreich mal welche, die neue Filme machen wollten, da das was damals im Kino lief, ähnlich aussensichtig war. Und es scheint fast so, als ob nach einer Reihe von Filmen, die sich an den typischen Klischees über Menschen, die von der geschlechtlichen Norm abweichen (es gibt Menschen, die mit Körpermerkmalen geboren werden, die vom eigentlichen Geschlecht abweichen - was man in den 20er-Jahren des Jahrhunderts bereits wusste), es langsam Zeit wäre solchen Filmen durch die Produktion eigener, glaubwürdiger und verantwortungsvoller Filme den cineastischen Stinkefinger zu zeigen.

    "Dallas Buyers Club" gehört neben einer ganzen Serie von Produktionen in denen transsexuelle Frauen auf die immer gleiche Art und Weise gezeigt werden, zur Serie der Filme, die damit von der Realität - wie seine vielen Brüder - auch immer noch meilenweit entfernt ist. Wenn man davon ausgeht, dass Filmemacher wissen, was sie tun, kann man ihnen nur Missbrauch ihrer Figuren vorwerfen. Wer eine transsexuelle Frau als Mann, der gerne Frau wäre, darstellt und damit beweist, dass er Aussenzuweisungen betreibt, die meilenweit an der Realität vorbei gehen, muss sich schon fragen lassen, wie es denn mit den anderen Figuren bestellt ist. Fazit: Klischeekino. Aber (noch) scheint es dafür ja Preise zu geben.

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