Finanzkrise und Wohltätigkeit
Ball der geplagten Spender

Der Londoner Hedge-Fonds-Manager Arpad Busson sorgt auch in diesem Jahr mit seinem Wohltätigkeitsball für ein gesellschaftliches Highlight in der Finanzmetropole, leistet sich eigens dafür sogar das London Symphony Orchestra. Doch der Prunk kann nicht verschleiern, dass die Krise auch in Charity-Kreisen angekommen ist.

LONDON. Arpad, genannt Arki, Busson, lässt sich nicht lumpen. Um seine Gäste angemessen zu unterhalten, hat der Finanzier, der zu den buntesten Vögeln der Londoner Hedge-Fonds-Welt zählt, gleich das gesamte London Symphony Orchestra engagiert, samt Chor. Die 100 Musiker sollen am Freitag aufspielen, wenn Busson zu seinem jährlichen Wohltätigkeitsball einlädt.

Jeder, der in der Londoner Geldbranche Rang und Namen hat und sich nach der großen Krise die 10 000 Pfund teuren Eintrittskarten noch leisten kann, wird sich auf den Weg in Richtung Bahnhof Waterloo machen. Dort in der riesigen Halle, in der früher die Züge durch den Euro-Tunnel nach Paris abfuhren, wird das berühmte Sinfonieorchester seine Instrumente auspacken.

Eigentlich braucht Arki Busson aber gar keine Hilfe, um Glamour zu verbreiten, das schafft der Finanzier mit den gewellten dunklen Haaren ganz alleine. Der Hedge-Fonds-Manager, der früher einmal Rennskiläufer werden wollte, hat einen Ruf als echter Gesellschaftslöwe zu verlieren, der eher in den Klatschspalten der Regenbogenpresse auftaucht als auf den Wirtschaftsseiten der Tageszeitungen. Zu Verdanken hat er das vor allem seiner Dauerverlobten, dem Hollywood-Star Uma Thurman.

Doch aller Glanz kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Welt seit dem letzten Wohltätigkeitsball verändert hat. 2008 war ein Schreckensjahr für die Hedge-Fonds-Szene, gleich reihenweise gingen die spekulativen Fonds im Strudel der Finanzkrise unter, weil von hohen Verlusten enttäuschte Investoren ihr Kapital abzogen. Experten schätzen, dass rund ein Drittel aller Hedge-Fonds bereits aufgeben mussten oder vom Aus bedroht sind.

Solche bitteren Erfahrungen schlagen leider auch auf die Spendenfreudigkeit von Bussons Gästen durch. Dabei hatte es während des langen Booms eine Zeit lang so ausgesehen, als hätten Sportwagen und Yachten als Statussymbole des Geldadels ausgedient. Wer es sich leisten konnte, der gründete seine eigene Wohltätigkeitsstiftung. Busson taufte seine Organisation „Absolute Returns for Kids“, oder kurz Ark. Seit 2002 hilft Ark Kindern in Entwicklungsländern, beispielsweise Aidswaisen in Südafrika oder Mosambik.

Das meiste Geld für den guten Zweck kam im Boomjahr 2006 zusammen, als die Hedge-Fonds-Welt noch in allerbester Ordnung war. Anfeuert von Bill Clinton und Madonna, spendeten die Ballgäste 26 000 Pfund pro Kopf für Ark. Insgesamt kamen so knapp 27 Mio. Pfund zusammen. 2008 Jahr bot ein Gast zwar auch noch stolze 380 000 Pfund für eine von der britischen Künstlerin Tracy Emin entworfene Handtasche. Unter dem Strich standen aber trotz des sündhaft teuren Accessoires nur noch 25 Mio. Pfund, und in diesemJahr rechnet Ark-Sprecherin Lesley Smith mit noch weniger. „Die Krise wird sicherlich ihren Tribut fordern“, sagt sie.

Das gilt nicht nur für Bussons Stiftung. Bei der jüngsten Umfrage der britischen Charity Commission kam heraus, dass mehr als die Hälfte aller Wohltätigkeitsorganisationen auf der Insel in diesem Jahr schlechter dastehen als 2008. „Die Folgen der Finanzkrise werden immer stärker und in immer mehr Bereichen spürbar“, klagt Suzi Leather die Vorsitzende der Charity Commission. Für viele Wohltätigkeitsorganisationen sei das ein doppelter Schlag, weil sie weniger Geld zur Verfügung hätten, gleichzeitig die Nachfrage nach ihren Hilfsleistungen aber dramatisch ansteige.

Diesem Dilemma sieht sich auch Ark gegenüber. Eine Zeit lang machten in der Londoner City sogar Gerüchte die Runde, dass Busson seinen Wohltätigkeitsball in diesem Jahr mangels Nachfrage ganz absagen müsse. So schlimm ist es am Ende aber nicht gekommen. „Die Tische sind bereits gedeckt, alles wird planmäßig über die Bühne gehen“, versichert Ark-Sprecherin Smith. Allerdings werden sich in diesem Jahr nur noch 800 Gäste auf den Weg in Richtung Waterloo-Bahnhof machen. 2008 waren noch 1 100 zahlungskräftige Finanzmanager. Aber Smith sieht die ganze Sache trotzdem positiv. „Als wir mit den Planungen für den diesjährigen Ball begonnen haben, wären 500 Gäste schon ein echter Erfolg für uns gewesen.“

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