Fine Art & Antiques
München ist gut gerüstet für die Zukunft

Der Nachfolger der Kunst-Messe München macht eine gute Figur und hat obendrein viel Flair. Seine Händler präsentieren ihr Bestes. Die Messe im Postpalast, dem erzwungenen Ausweichquartier, konzentriert sich programmgemäß auf die Alte Kunst und die Klassische Moderne. Akzente setzen deutsche und französische Möbel sowie hochwertiges Kunsthandwerk des 18. Jahrhunderts.
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"Die Kunst & Antiquitäten München am Nockherberg und dann noch eine vernünftige Messe." Dem Richtung München ausgesandten Stoßseufzer des diesmal noch zu Hause gebliebenen Newcomers Hubert Erfurt (Köln) möchten sich die meisten Händler in Deutschland anschließen. 34 Kunsthändler fanden, dass dieser herbeigesehnte Idealzustand in diesem Jahr bereits ansatzweise Wirklichkeit werden sollte und packten die Koffer für die 54. Kunst München-Messe - Fine Art & Antiques. Angemeldet hatten sich 48.

Organisator Wolf Krey (Expo Management GmbH) geht mit dem von der Bamberger Händlerriege initiierten Messeneuling zum zweiten Mal an den Start. Nun aber über zwei Wochenenden und gleichsam konkurrenzlos, da Riem mit 51, andere sagen mit nur 30 Anmeldungen unterging. Bleiben als Mitspieler die Nockherbergs-Messe mit ihrer breiteren, auch mit volkstümlichen Elementen durchsetzten Offerte von rund 60 Ausstellern und die Munich Highlights mit ihrer Vier-Tage-Veranstaltung (35 Teilnehmer). Sie liefert die zwar hochkarätige, jedoch kurz befristete und erfahrungsgemäß nicht so verkaufsträchtige Begleitmusik.

Die Messe im Postpalast, dem erzwungenen und doch reizvollen Ausweichquartier (HB vom 31.7., 15.5, 3.4.), konzentriert sich programmgemäß auf die Alte Kunst und die Klassische Moderne. Die Stände sind geräumig und mit großem Aufwand inszeniert. Stellenweise ist Parkett verlegt, wie bei Peter Mühlbauer, der im letzten Jahr noch in Riem ausstellte. Akzente setzen hier ein Paar Dresdener Kommoden mit Goldbronzen aus einem der Schlösser August des Starken (280 000 Euro) und ein um 1650 anzusetzendes Prunkstillleben mit Nautiluspokal, Silbertazza und Früchten von Abraham van Beyeren für 185 000 Euro.

Neuzugang Anja Ritter aus Steinach ist erst seit drei Jahren im Geschäft, aber gut verdrahtet mit den deutschen Fürstenhäusern. Bei der ambitionierten Junghändlerin findet man Möbel, Silber, Porzellan und Malerei des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Eines ihrer Prunkstücke ist der sog. Hohenzollern-Schrank (um 1750/60) aus dem Besitz von Bismarcks Urenkel (180 000 Euro). Auf schöne barocke Möbel aus den zurzeit im Trend liegenden deutschen Werkstätten konzentriert sich Michael Nolte aus Münster. Christian Eduard Franke, Bamberg, hat ein nach eigenen Worten "fantastisches" Braunschweiger Aufsatzmöbel aus wurzelfurniertem Nussbaum (um 1740) mitgebracht. Prachtvolle Elfenbeineinlagen mit Original-Gravüren zeichnen das schöne Stück aus (155 000 Euro).

Marktfrisch bei Ulf Härtl sind zwei bedeutende, verhältnismäßig große Boiserien aus dem 18. Jahrhundert mit Blumen- und Früchtemalerei und bedeutender Provenienz (90 000 Euro). Sechs französische Möbel des 18. Jahrhunderts hat Albrecht Neuhaus aus Würzburg neu im Programm. Den Akzent auf seinem Stand setzt aber das Ensemble einer zweischübigen, französisch inspirierten Kommode aus der polnisch-sächsischen Residenz August des Starken (ca. 90 000 Euro) mit Philippe Merciers Gemälde einer "Musizierenden Gesellschaft" darüber (330 000 Euro). Er war es, der die französische Malerei im Stil Watteaus in England einführte.

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