„Fire and Fury“-Autor Randall Hansen „Hätte nie gedacht, dass ich Trump einmal einen Gefallen schulde“

Das Trump-Enthüllungsbuch „Fire and Fury“ stürmt alle Bestseller-Charts. Davon profitiert auch der Historiker Randall Hansen. Er hat vor acht Jahren ein Buch mit dem gleichen Titel herausgebracht – über den Zweiten Weltkrieg.
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Der Historiker profitiert widerwillig vom Hype um das Trump-Buch „Fire and Fury“ – dank eines gleichnamigen Werktitels. Quelle: PR
Randall Hansen

Der Historiker profitiert widerwillig vom Hype um das Trump-Buch „Fire and Fury“ – dank eines gleichnamigen Werktitels.

(Foto: PR)

Manchmal liegen Erfolg und Zufall eben doch sehr dicht beieinander. Das hat Randall Hansen in den letzten Tagen am eigenen Leib erfahren. Eigentlich arbeitet der 47-jährige Professor als Direktor am Institut für Global Affairs an der University of Toronto. Nun ist er – zumindest auf Twitter – zur Kurzzeitberühmtheit avanciert. Der Grund: Der Politikwissenschaftler und Historiker hat vor acht Jahren ein Buch veröffentlicht, das den gleichen Titel trägt, wie Michael Wolffs aktuelles Enthüllungswerk über die bisherige Trump-Ära: „Fire and Fury“.

Von dem großen Medienecho um Wolffs Neuerscheinung profitierte auch der Universitätsprofessor mit seiner Geschichtsanalyse, die von den Angriffen der Alliierten auf deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg handelt. Ein Tweet Hansens zu seinem Zufallscoup verbreitete sich auf Twitter binnen weniger Stunden und fachte den Verkauf massiv an, wie er im Kurzinterview mit dem Handelsblatt erklärt.

Herr Hansen, wie viele Bücher haben Sie in der letzten Woche verkauft?
Exakte Verkaufszahlen kenne ich erst, wenn meine Tantiemenübersicht da ist. Aber ich bin am Tag, an dem Michael Wolffs Buch erschien, auf drei Amazon-Bestsellerlisten nach oben geschossen. Kurz danach habe ich auch den Tweet abgesetzt, der tausendfach geteilt und geliked wurde.

Haben Sie damit gerechnet?
Nein. Wie auch? Als Donald Trump im Sommer seine „Fire and Fury“-Rede vor der Uno als Drohgebärde gegen Nordkorea hielt, habe ich einen leichten Zuwachs auf Twitter feststellen können, aber dass sich mein Tweet jetzt quasi viral verbreitete, das war eine totale Überraschung für mich.

Denkt Ihr Verlag schon darüber nach, das Buch nachzudrucken?
Diese Überlegungen gibt es sicherlich. „Penguin“ wird aber die nächsten Wochen noch beobachten, bevor sie eine Entscheidung treffen. Eine Neuauflage ist ohnehin für Großbritannien geplant gewesen – ganz unabhängig von Wolffs Buch. Ich hoffe außerdem auf eine baldige deutsche Übersetzung.

Worum geht es in Ihrem Buch genau?
Es geht um den Zweiten Weltkrieg und die Auswirkungen der britischen und amerikanischen Luftangriffe auf die deutsche Zivilbevölkerung. Das Buch ist eine Zusammenstellung aus Interviews, die ich mit etwa 260 Zeitzeugen geführt habe. Ein anderer Teil sind historische Rekonstruktionen aus Archivrecherchen. Mein Buch beleuchtet unter anderem den großen Feuersturm auf Hamburg 1943 sowie die Bombenangriffe auf Würzburg im März 1945, kurz vor Kriegsende.

Warum denken Sie, dass so viele Leute Ihr Buch gekauft haben? Es hat ja nicht mal im Entfernten etwas mit den aktuellen Enthüllungen zur Trump-Kampagne zu tun.
Die Mehrheit, so hoffe ich, hat es aus Interesse gekauft und wusste einfach vorher nichts von der Existenz meines Buchs. Ein paar Leser haben mir jedenfalls genau dieses Feedback gegeben. Einige Leute haben aber sicherlich schlichtweg das falsche Buch gekauft – womöglich wird es Retouren geben.

Und vielleicht auch schlechte Bewertungen bei Amazon.
Ja, auch das ist möglich. Die größte Gefahr sehe ich bei Trump-Anhängern, die Wolffs Buch am liebsten zerreißen würden und dann fälschlicherweise mich und mein Buch angreifen. Ich habe in den letzten Tagen auch ein paar unangenehme Tweets bekommen. 

Wann haben Sie vom berühmten Namensvetter Ihres Buches erfahren?
Ich war in Washington, als Michael Wolffs Buch herauskam. Ich bin jedes Mal zusammengezuckt, wenn jemand „Fire and Fury“ sagte. Das ist mir ziemlich häufig passiert. Ich habe zunächst gedacht, es geht um Trumps Drohungen gegen Nordkorea. Ein paar Freunde haben mir dann gesagt, was los ist.

Haben Sie das Buch von Michael Wolff eigentlich schon gelesen?
Nur die Auszüge und Rezensionen, die vorab veröffentlicht wurden. Ich werde es aber auf jeden Fall lesen. Mir fehlte bloß bisher die Zeit. Ich halte es für ein wichtiges Buch. Alles, was die gefährlichen Funktionsstörungen dieser Präsidentschaft aufdeckt, und die Republikaner wieder dazu ermutigt, sich mehr um ihr Land statt um politische Zweckmäßigkeiten zu kümmern, kann nur gut für die USA und die Welt sein.

Was lernen Sie aus den letzten Tagen?
Wie zufällig Erfolg in der akademischen Welt und auf dem Buchmarkt sein kann. Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass ich Donald Trump einmal einen Gefallen schulde.

Und was machen Sie, wenn die Herren Trump, Bannon oder Wolff tatsächlich Tantiemen von Ihnen verlangen, wie Sie in Ihrem Tweet halbernst fragen?
Ich würde mich ehrlich gesagt sehr darüber freuen, weil das die Bekanntheit und damit auch den Verkauf meines Buchs noch weiter steigern dürfte. Ich würde Herrn Wolff außerdem höflich klar machen, dass er doch schon genug Geld mit seinem Buch verdient. Und es würde mir eine gewisse Genugtuung verschaffen, Herrn Trump und Herrn Bannon einmal ins Gesicht zu sagen, dass sie zur Hölle fahren können.

Was haben Sie als nächstes vor?
Zwei Projekte: Das erste soll Lösungsszenarien für die weltweite Flüchtlingskrise aufzeigen. Ich glaube, das ist eine der größten Herausforderungen unserer aktuellen Zeit. Das zweite soll wieder ein Buch über den Zweiten Weltkrieg werden. Es wird „Hitler’s provinces: Paris, Prague, Vienna and Warsaw under German occupation“ heißen. Vermutlich wird es nicht ganz an die Verkaufszahlen von „Fire and Fury“ herankommen.

Herr Hansen, vielen Dank für das Gespräch.

Hansen, Randall: Fire and Fury – The Allied Bombing of Germany, 1942-1945 (ISBN: 9780451227591)

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