Firmensammlung
Alitalia wirft Ballast ab

Die Kunstsammlung der italienischen Fluggesellschaft Alitalia wird versteigert. Wirklich bedeutsam ist aber nur ein einziges Gemälde von Gino Severini.
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ROM. Die italienische Fluggesellschaft Alitalia rettete sich zunächst dank einer Seilschaft von inländischen Unternehmern. Doch musste ihr wenige später dann doch die französische Air France /KLM unter die Arme beziehungsweise Flügel greifen. Nun fliegt sie jedenfalls wieder durch die Lüfte und ist darauf bedacht, Ballast abzuwerfen. Dazu gehört auch ihre Kunstsammlung, die das Mailänder Auktionshaus Finarte am 8. Dezember 2009 in Rom versteigert.

Die Firmensammlung entstand in den 50er- und 60ger-Jahren, als die Alitalia für ihre Büros im In- und Ausland und für ihre DC-8 Flotte Kunst kaufte. Dabei handelte es sich ausdrücklich um nationale Kunst, denn die Gesellschaft wollte sich als fliegender Verfechter und Verbreiter der italienischen Kunst verstanden wissen. Heute denkt man international und global, was dem Wert der Sammlung nicht unbedingt zuträglich ist. Die Sammlung entpuppt sich allerdings nicht nur auf Grund ihres nationalen Charakters als Tiefflieger. Tatsächlich hebt nur ein Werk in höhere Gefilde ab, was den Schätzwert betrifft: Ironie des Schicksals, es stammt aus dem Pariser Büro der Alitalia, just dem Land, das der Fluggesellschaft half, als Phönix aus der Asche aufzuerstehen, obwohl Frankreichs Einstieg als Retter in der Not anfänglich verworfen worden war.

"Zeus, von der Sonne geboren", heißt das 250 x 470 cm Meter messende Monumentalgemälde, das der Futurist Gino Severini 1954 für die Alitalia Niederlassung an der Seine schuf. Ein Titel, der angesichts der Entwicklung, die die Dinge genommen haben, auch doppeldeutig anmutet, denn wer ist Zeus und wer die Sonne? Wie dem auch sei, das Gemälde geht immerhin mit einer Taxe von 350 000 bis 500 000 Euro an den Start. Dass diese Summe bereits die Hälfte des gesamten Schätzwertes der 180 Lose, 1 Mio. Euro, abdeckt, spricht nicht unbedingt für die Qualität der Firmensammlung. Wohlgesonnene könnten allerdings die Tatsache anführen, dass die Alitalia sich bei den Ankäufen für ihre Sammlung auf Arbeiten auf Papier konzentrierte - ein leichter Ballast also, den es nun zu zerstreuen gilt.

www.finarte.it

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