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Fleisch fressende Käfer sind neueste Angestellte in Londoner Museum

Die neuesten Mitarbeiter im Londoner Natural History Museum sind keine angenehmen Zeitgenossen. Zwar sind sie nur zehn Millimeter lang, haben dafür aber einen unersättlichen Heißhunger auf Fleisch. „Sie sind nicht die konventionellsten Kollegen, aber sie arbeiten sehr hart“, beschreibt Museumsdirektor Patrick Campbell die zunächst 100 Mitglieder umfassende Kolonie von Dornspeckkäfern (Dermestes maculatus). Die dunkel gefärbten Krabbeltiere mit hellem Bauch fressen zukünftig Tierkadavern im wissenschaftlichen Auftrag das Fleisch von den Knochen.

dpa LONDON. Die neuesten Mitarbeiter im Londoner Natural History Museum sind keine angenehmen Zeitgenossen. Zwar sind sie nur zehn Millimeter lang, haben dafür aber einen unersättlichen Heißhunger auf Fleisch. „Sie sind nicht die konventionellsten Kollegen, aber sie arbeiten sehr hart“, beschreibt Museumsdirektor Patrick Campbell die zunächst 100 Mitglieder umfassende Kolonie von Dornspeckkäfern (Dermestes maculatus). Die dunkel gefärbten Krabbeltiere mit hellem Bauch fressen zukünftig Tierkadavern im wissenschaftlichen Auftrag das Fleisch von den Knochen.

Das Londoner Museum verfügt über eine riesige Skelett- und Knochensammlung, mit deren Hilfe Wissenschaftler aus der ganzen Welt Geheimnisse des Tierreichs ergründen. Anhand der Gebeine werden etwa das Alter oder Fressverhalten ermittelt und sogar neue Spezies identifiziert. Bisher wurden die Skelette der Tierleichen in dem Naturkundemuseum mit chemischen Mitteln freigelegt, etwa durch Wasserstoffperoxid. Der große Nachteil: Der Knochen wird zerbrechlich und wichtige molekulare Informationen werden zerstört.

Und genau dort kommt der Dornspeckkäfer ins Spiel, einer von verschiedenen biologischen Helfern, die Präparatoren nützlich sind. Der Käfer und vor allem seine Larven „reinigen“ das Skelett mit ihren Beißwerkzeugen auf natürlichem Wege so, dass die Knochen vollkommen unbeschädigt bleiben. „Die Larven werden am meisten fressen, und wenn sich die Gruppe richtig etabliert hat, kaut sie etwa vier Kilo Fleisch pro Woche weg“, beschreibt Campbell den ekligen Job der Käfer, die mit Tierleichen aus der Kühlkammer des Museums gefüttert werden. Der Museumsdirektor hofft, dass die Kolonie der tierischen Beschäftigten letztlich auf 1000 Mitglieder anwachsen wird.

Allerdings darf der Dornspeckkäfer zu seinem eigenen und nicht zuletzt zum Schutz anderer nie unbeaufsichtigt durchs Museum stromern. Die Kolonie lebt und „arbeitet“ ausschließlich im so genannten Dermestarium, dem „Käferraum“. Der ist immer schön warm und vor allem mit hoher Luftfeuchtigkeit ausgestattet - ansonsten würde die hungrige Käferart ihre eigenen Eier verspeisen. Mindestens genauso wichtig ist es aber, die fresslustigen Tierchen nicht aus ihrem stets gut verriegelten Raum entkommen zu lassen. Denn diese Insekten mümmeln jede Art organischen Materials, das sich gerade bietet - in Gefahr wären nach Museumsangaben besonders dessen Tausende von ausgestopften Tieren und Fellen.

Nach getaner Arbeit wird das Skelett erst einmal tiefgefroren, bevor es den Käferraum verlässt, damit keiner der kleinen Käfer versehentlich ausbüxt und in fremdem Revieren wildert. Museumsdirektor Campbell teilte auch mit, was als erstes auf der Speisekarte seiner neuen Helfer steht: Ein Fisch namens Atlantischer Sägebauch, ein Langschwanz-Flughund sowie ein Norwegischer Lundehund.

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