Florierender Graumarkt
Rechnungshof kritisiert Bayreuther Kartenvergabe

Die Kartenvergabe bei den Bayreuther Festspielen ist in die Kritik des Obersten Bayerischen Rechnungshofs geraten, weil Interessenten viele Jahre auf Karten warten müssen und ein Graumarkt mit hohen Kartenpreisen floriert. Am kommenden Dienstag beschäftigt sich der Verwaltungsrat der Festspiele mit den Vorwürfen.
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BAYREUTH/MÜNCHEN. Die Kartenvergabe bei den Bayreuther Festspielen ist nach einem Bericht des Handelsblatt (Freitagausgabe) in die Kritik des Obersten Bayerischen Rechnungshofs geraten. Die Praxis war Gegenstand von zwei Prüfberichten aus den Jahren 2010 und 2009, wie der Rechnungshof der Zeitung bestätigte. Am kommenden Dienstag beschäftigt sich der Verwaltungsrat der Festspiele mit dem aktuellen Bericht. Die Kartenvergabe steht in der Kritik, weil Interessenten viele Jahre auf Karten warten müssen und ein Graumarkt mit hohen Kartenpreisen floriert.

Nach Angaben der Bayreuther Festspiele fordert der Rechnungshof, den Anteil der hoch subventionierten Karten, der in den freien Verkauf geht, zu erhöhen. Bislang gehen bestimmte Kontingente an Gruppen wie Stipendiaten und den Verein der Freunde von Bayreuth. Dieser einflussreiche Kreis hat jedoch offenbar schon vor der Verwaltungsratssitzung sein Kontingent von knapp 14 000 Karten gesichert. "In größtem Einvernehmen wird man am Dienstag berichten, dass die Höhe des Kontingents in Zukunft erhalten bleibt", sagt Stephan Götzl, Mitglied des Freunde-Vorstands. Auch der Vorstandsvorsitzende des Vereins, der ehemalige bayerische Finanzminister Georg Freiherr von Waldenfels sagte, eine Reduzierung sei kein Thema. Jedoch solle die Kartenvergabe an den Förderverein auf eine neue vertragliche Grundlage gestellt werden.

Bayreuths Oberbürgermeister Michael Hohl, Mitglied des Verwaltungsrats, sagte dem Handelsblatt, er wolle das Kontingent der Freunde nicht deutlich beschneiden "Wir werden einen Mechanismus finden müssen, wie wir das Kartenkontingent an Veränderungen der Zahl der Freunde-Mitglieder anpassen", sagte er.

Eine vom Rechnungshof geforderte neue Software für die Kartenvergabe wird nach Angaben der Festspiele 2011 eingeführt. Der Rechnungshof habe bemängelt, Zahlungsströme seien bislang nicht nachvollziehbar, sagte ein Sprecher der Behörde dem Handelsblatt.

Nach Berechnungen des Handelsblatt wurden 2010 allein bei Ebay Bayreuth-Karten für 143 530 Euro versteigert. Der Durchschnittspreis lag bei 598 Euro. Die Originalkarten kosten 15 bis 280 Euro. Dazu kommt ein erheblicher Umsatz über inoffizielle Kartenagenturen. Insgesamt vergeben die Festspiele pro Saison 53 900 Karten. Am Montag endet die Registrierung für den Kartenvorverkauf.

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