Folgen des Rauchverbots
Draußen vor der Tür

Das angekündigte Rauchverbot zwingt die Süchtigen vor die Kneipen. Und das sollte sie nicht schrecken. Denn das Verbot , im Inneren der Kneipe zu rauchen, ist zu einem Zufallsgenerator für eine gut gelaunte Abendgesellschaft geworden. Das Zentrum der Kommunikation befindet sich jetzt draußen.

Heute macht J. mit irgendeiner Computersache in Dublin Karriere; vor zehn Jahren hatte sie ein paar Semester in München zugebracht und ihr Studium in einer oberbayerischen Käserei finanziert. „Gegen den Geruch konntest du gar nicht heftig genug anqualmen“, sagt sie, während wir uns vor dem Pub Zigaretten anstecken und unsere Guinnessgläser auf dem Fenstersims abstellen.

Wir inhalieren heftig und ärgern uns in fröhlicher Selbstironie über unsere Sucht, die uns das Atmen schwer macht und uns vor die Kneipe treibt. Hier draußen ist’s nicht eben gemütlich; bisweilen schlägt der Wind sogar ein paar Regenfäden unter das Vordach, dass wir die Kippen in der hohlen Hand schützen müssen.

Wir fluchen ein bisschen über das strikte Rauchverbot in Irlands Kneipen, nehmen einen Schluck von der schwarzen Schönheit und kommen ins Gespräch über Bayern, Käse, Irland, Fußball, Rauchgewohnheiten, Stadt- und Landregen. Andere, auch sie haben sich zum Schmöken vor den Pub begeben, beteiligen sich. Wieder andere, die erkennbar nicht rauchen, kommen trotzdem heraus und palavern mit.

Das Verbot, im Inneren der Kneipe zu rauchen, ist zu einem Zufallsgenerator für eine gut gelaunte Abendgesellschaft geworden, die sich draußen gefunden hat. So oder so ähnlich rauchfrei halten es immer mehr Gemeinwesen mit ihrer Gastronomie – seit dem 12. April der Schweizer Kanton Tessin, in dessen Gasthäusern Rauchverbot herrscht. Das Volk wollte es, dass seine Raucher künftig draußen auf den „Lago Maggiore“ starren, statt drinnen auf die Zapfanlage ihrer Lieblingsbar.

Oder nehmen wir jenes westkanadische Kuhkaff, in dem es nur durchbretternde Trucks zu geben schien. Die einzigen sichtbaren Menschen waren die Raucher, die sich vor den Büros, Läden, Ämtern und Restaurants aufhielten und weiterhelfen konnten. Wenn es sie nicht gegeben hätte – der Schreiber dieser Zeilen irrte vielleicht immer noch durch die Provinz Alberta.

Sie habe Zeit ihres Lebens mit Emphase geraucht, sagt die sehr alte Dame vor dem Flughafeneingang in Madrid, lässt sich Feuer geben und erzählt bald, aus einem Pappbecher Kaffee schlürfend, von ihrem wechselhaften Leben zwischen Budapest, München, Los Angeles und Kapstadt.

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