Fotografie-Auktionen
Kein Anlass für Preisphantasien

Die deutschen Versteigerer beschließen die Herbstsaison ohne Höhenflüge. Immerhin: Es gibt bescheidene Wachstumsraten. Der noch immer kleine Nischenmarkt zeigt sich stabil. Zu den Gewinnern gehören ästhetische Aktaufnahmen und die seriellen Industrie-Porträts von Bernd und Hilla Becher.
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KÖLN. Herzklopfen Fehlanzeige. Während Paris sich zur ersten europäischen Adresse für den Auktionshandel mit Fotografie mit Fotografie entwickelt, heißt es für den deutschen Markt "Business as usual". Das haben die deutschen Herbst-Auktionen für Fotografie nun zum wiederholten Male gezeigt. Was hierzulande fehlt, sind attraktive Sammlungskonvolute, die Preisphantasien erzeugen. Das Kölner Auktionshaus Lempertz machte es im Sommer mit Tranchen aus der Kollektion Vogel einmal vor. Doch derartig profilierte Einlieferungen bleiben offenbar die Ausnahme.

Lempertz blickt dennoch zufrieden auf seine jüngste Foto-Session zurück. In der um rund 100 Lose schmaler als im Vorjahr angelegten Offerte stach das interessante Material umso mehr heraus. Vorprogrammiert war der Erfolg der drei vierteiligen Tableaus von Bernd und Hilla Becher, die auf 20.000 bis 25.000 Euro geschätzt waren. Zahlreiche internationale Telefonbieter ließen sich in den Wettstreit um die nachträglich signierten, zwischen 1973 und 1975 abgezogenen Ansichten von Fördertürmen in England und Frankreich verwickeln. Jedoch in allen drei Fällen zogen sie den Kürzeren gegen eine italienische Sammlerin. Sie bewilligte durchweg starke, die Taxen weit überflügelnde Preise. 282.000 Euro gab sie allein für die Becher-Fotos aus. Mit 138.000 Euro für das Set mit französischen Fördertürmen sorgte sie sogar für einen internationalen Rekordpreis.

Der schöne Akt kommt an

Guter Nachfrage erfreute sich der Akt-Schwerpunkt, der zu einem guten Teil aus einer Frankfurter Privatsammlung eingeliefert worden war. In britischen Handel wanderte Herb Ritts hinreißendes Licht- und Schattenspiel auf einem kurvigen Frauenkörper für 5.760 Euro (Taxe 3.000/4.000). Ein späterer, jedoch signierter Abzug von Jean-Loup Sieffs "Bottom" (1968) erzielte 5040 Euro. Das ist ein guter Preis für einen Fotografen, von dem nicht allzu viel signiertes Material auf dem Markt ist.

Bei Van Ham, Köln, kletterte Heinz Hajek-Halkes berühmter "Schwarz-Weißer Akt" (1930-1936) dank Gebot eines rheinischen Sammlers knapp über die Taxe (16.000/18.000). Er honorierte offenbar die schöne Provenienz. Hajek-Halke persönlich hatte den 1972 abgezogenen Print dem Berliner Fotografen und Postkartenverleger Winand Stockmann geschenkt. Im Übrigen verzeichnet Van Ham anziehende Preise auch für die Mitstreiter Hajek-Halkes, die in den fünfziger Jahren als Gruppe "fotoform" Furore machten. Darauf hatte der deutsche Handel schon länger gewartet.

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