Fotografie
Carla Bruni als verschämte Venus

Im November dreht sich in Paris alles um Fotografie. Die renommierte Fotomesse "Paris Photo" lockt Sammler und Händler an die Seine. In den begleitenden Fotoauktionen schossen die Preise nicht sehr hoch - auch nicht für die schöne Muse von Frankreichs Staatspräsident.
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PARIS. Gemessen an der Tatsache, dass die Gattin des französischen Präsidenten ein Medienereignis ist, verwundert der geringe Preis für ein Aktfoto, das Michel Comte 1993 von Carla Bruni knipste. Das Ex-Model und die Sängerin wollen doch viele gern nackt als verschämte Venus sehen. Das Foto, das aus einer deutschen Sammlung stammt, fand aber während der Auktion von Piasa und dem Experten Yves Di Maria am 20. November keinen Interessenten. Erst im Nachverkauf ging es für 7 435 Euro weg. Teurer wurde die Aufnahme von Constantin Brancusi, der seine berühmten Skulptur "L' oiseau d' or" 1922 ablichtete. Schätzungsgemäß spielte sie 11 772 Euro ein. In Di Marias Bilanz für 348 Lose stehen dann auch nur 216 596 Euro Umsatz. Gut für die preisbewussten Bieter.

Das Auktionshaus Millon/Cornette de Saint Cyr, ein Zusammenschluss von fünf Auktionatoren, konnte sowohl einheitliche Qualität wie gute Preise bieten. Schließlich boten sie den Nachlass der in Deutschland geborenen Architektur- und Reportagefotografin Ilse Bing (1899-1998) an. Ein Amerikaner hatte den Nachlass der in New York verstorbenen Ilse Bing erworben und ihn nach zehnjähriger Wartezeit dem Experten Christophe Goeury zur Versteigerung übergeben. Goeury und der charismatische Alexandre Millon nahmen im rappelvollen Saal des Drouot-Montaigne - dem hippen Nobelauktionssaal des Hôtel Drouot - am 16. November 534 973 Euro für 286 angebotene Lose ein.

Ein englischsprachiger Telefonbieter bewilligte den Weltrekord in der Höhe von 32 211 Euro für ein großartiges Foto der abwechselnd in Deutschland, Paris und New York tätigen Ilse Bing: eine Ansicht von New York mit der Hochbahn ("The elevated and me, New York", 1936), in der sich die Silhouette der Fotografin diskret spiegelt. Mit 54 115 Euro wurde eine Serie von zwölf Reportage-Fotos aus dem "Moulin Rouge" von 1931, das die Tänzerinnen, das Publikum und das Gebäude dieses Touristentempels zeigt, zum teuersten Los der Auktion. Der internationale Handel und die besten Sammler waren im Saal oft gegen die Telefonbieter aus aller Welt erfolgreich. Die größte Anzahl an Losen sicherte sich hier der amerikanische Händler Alex Novak dank zahlreicher Aufträge.

Sotheby's überrundet Pariser Konkurrenz

Am 20. November stach Sotheby's die Pariser Versteigerer mit einem 2 Mio. Euro-Umsatz aus. Spitzenlos wurde Eugène Atgets Aktfoto einer "Frau" von 1925. Diese Rückenansicht erwarb ein europäischer Sammler zum Weltrekordpreis von 444 750 Euro.

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