Fotografie
Kertész macht die Nachtaufnahmen berühmt

Der aus Ungarn stammende Fotograf André Kertész ist ein Pionier der Fotografiegeschichte. Paris ehrt den innovativen Lichtbildner mit einer gelungenen Retrospektive. Die Preise für seine Fotos schwanken zwischen ein paar tausend Euro und über 400.000 Dollar. Das liegt daran, dass Sammler für die zeitnah zur Aufnahme abgezogenen Vintage-Prints tief in die Tasche greifen und spätere Abzüge links liegen lassen.
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PARIS. Er liebte Blitze am Gewitterhimmel, Wolken im Kontrast zu Wolkenkratzern, Bäume ohne Laub und fotografierte Brillen, Pfeifen und Hände berühmter Künstler und deren Schattenspiel. Der Fotograf André Kertész (1894-1985) gab in den 1920er- und 1930er-Jahren Einblicke in Ateliers der kreativsten Maler. Mit subtilem Einfühlungsvermögen passte er seine fotografischen Kompositionen dem formalen Stil der Gemälde an, die in den von ihm aufgenommenen Ateliers entstanden.

Von Ungarn nach Paris

Die Retrospektive des in Budapest als Andor Kertész geborenen Fotografen André Kertész im Pariser Musée national du Jeu de Paume ist nicht nur eine Art Lebens- und Schaffensübersicht ihres Autors, sondern ein siebzig Jahre überspannendes Zeitdokument, das die Karriere von Kertész aufrollt. Kreativ war der junge Mann bereits in Ungarn, am innovativsten war seine Pariser Periode (1925 - 1936), wo er u.a. die in der Seine-Stadt lebenden Avantgarde-Künstler auf höchst persönliche Weise mit seiner Kamera festhielt.

Gelungene Schau

Die Ausstellung, die anlässlich des 25. Todestages von Kertész stattfindet und vier Jahre lang vorbereitet wurde, ist mit Sicherheit die kompletteste Retrospektive des Fotografen. Sie umfasst 300 Originalabzüge (Vintages, also von Kertész selbst sofort entwickelte Abzüge, oder von einem Laboranten unter seiner Aufsicht hergestellte), Fotobücher, Zeitschriften und Archivmaterial. Über dieses quantitative Argument hinaus ist sie wissenschaftlich und pädagogisch perfekt gemacht, menschlich sehr berührend und mit einem umfangreichen Katalog dokumentiert.

Immer innovativ

Die drei sprachlich, kulturell und geografisch separierten Lebensabschnitte des André Kertész: Budapest - Paris - New York, wo er 1985 starb, geben der Schau ihre Struktur. Die der Chronologie folgenden, in Themengebiete unterteilten Kapitel erleichtern das Verständnis des Werks des langfristig innovativen Kertész. Er erfand die Nachtaufnahmen in den Städten, die sein Landsmann Brassaï popularisierte. Er zählte zu den drei Fotografen, die ab 1928 in der Zeitschrift "VU" unter Lucien Vogel erstmals Fotoreportagen publizierten. Von 1930 bis 1933 praktizierte er die Verzerrungen ("Distorsions"), indem er Zerrspiegel eines Lachkabinetts für weibliche Aktfotografien verwendete, um die ihn die Zeitschrift "Le Sourire" (Das Lächeln) bat.

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