Fotokunst
Fürst der Dunkelkammer

Der amerikanische Modefotograf Irving Penn hatte ein Faible für indigene Völker. Mit einem transportablen Studio bereiste er die abgelegendsten Weltgegenden. Bernheimer in München hat von der Penn Foundation jetzt die Exklusiv-Vertretung für Deutschland übernommen.
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BonnIrving Penns (1917-2009) ethnographische Fotoexpeditionen sind längst zur Legende geworden, viele Motive haben den Status von Ikonen. Umso bemerkenswerter ist, wenn Bernheimer Fine Art Photography in München jetzt eine ganze Ausstellung mit den großen und edel abgezogenen Ausstellungsprints des berühmten Mode- und Porträt-Fotografen bestücken kann. Möglich machte es ein Exklusiv-Vertrag mit der Irving Penn Foundation.

Es war nicht allein seine bemerkenswerte Ausrüstung, ein großes transportables Studio-Zelt, mit dem Penn bei Menschen in entlegendsten Weltgegenden Eindruck machte. Es war sein ernsthaftes und gut organisiertes Tun, mit dem er als Fremder überzeugen konnte. Stets hatte der Amerikaner einen Guide dabei, der sein Kommen ankündigte und die Rahmenbedingungen für seinen Aufenthalt aushandelte. Generalstabsmäßig wurde nach der Ankunft das Zelt errichtet, in dem die Mitglieder von Dorfgemeinschaften und Stämmen später für die Kamera posierten.

Barfüßiges Geschwisterpaar

Eines der berühmtesten Bilder entstand 1970 während eines Aufenthaltes im Hochland von Neuguinea: das Porträt dreier maskierter Gestalten in kriegerischer Haltung. Ihre nackten Leiber waren mit schon krustig gewordenem, bleichen Schlamm bedeckt, ein Outfit, mit dem ihre Vorfahren einst ihre Feinde erfolgreich in die Flucht geschlagen hatten, nachdem diese sie in einen Fluss getrieben hatten. Bernheimer bietet einen Platin-Abzug aus einer 35er-Auflage von 1972 für 178.000 Dollar an.

Als Penn nach Neuguinea reiste, war er bereits ein Routinier. Angefangen hatte sein Faible für indigene Völker ein Viertel Jahrhundert früher in Lima, damals noch ohne Zelt. 1948 datiert das berühmte Bildnis der „Cuzco Children“, ein anrührendes Porträt eines barfüßigen Geschwisterpaars, das sich in zaghafter Unbeholfenheit an einen Klavierhocker lehnt. Den einzigen Platin-Abzug, den die Foundation nach Angaben von Blanca Bernheimer noch besitzt, kann die Münchener Galerie nun für 1 Million Dollar anbieten. Er stammt aus einer 60er-Auflage von 1978 und markiert die Spitze des Preisspektrums.

Nichts dem Zufall überlassen

Irving Penn ist in verschiedener Hinsicht ein erstaunlicher Fotograf. Zwischen angewandter und freier Arbeit hin und herpendelnd wusste er genau, für welche Zwecke er seine Motive in welcher Abzugsgröße und Anzahl herstellte. Bereits 1964 begann er damit, aus seinen Arbeiten eigenständige Kunstwerke zu machen, indem er von ihnen aufwändige Platin-Palladium-Abzüge herstellte. Keiner sah wie der andere aus. Da er gegen Ende der Sechziger aufgrund der allgemein rückläufigen Auftragsentwicklung in den Printmedien als Modefotograf nicht mehr so gefragt war, erhielt die freie Arbeit für Ausstellungen und Editionen eine umso größere Bedeutung. Das ist auch die Zeit, in der sich in Amerika so etwas wie ein Markt für Fotografie zu entwickeln begann.

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