Fotokunst
Vertrauen ist gut, Kontrolle aber besser

Wie gehen führende Galeristen mit dem sensiblen Thema der Neuproduktion limitierter Fotokunst um? Ergebnisse einer Fragerunde.
  • 0

BonnDie Zeugenvernehmung der Galeristin Philomene Magers im Essener Strafprozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach (10. Februar 2015) erlaubt einen Einblick in die Gepflogenheiten des Kunstmarkts auf dem Feld limitierter Fotokunst. Dabei rückt vor allem der Umgang mit Neuproduktionen in den Blick, ein Thema, das erst jüngst Gegenstand einer Frankfurter Tagung von der DZ Bank und der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) war (vgl. Handelsblatt vom 16. Januar 2015)

Wie gehen Galeristen, die zeitgenössische Fotokünstler vertreten, mit dem Thema der Neuproduktion von Werken um? „Wir sichern mündlich zu, dass der Sammler im Fall einer Beeinträchtigung der Arbeit eine Neuproduktion bekommen kann, wenn eine Vernichtung der beschädigten Arbeit bewiesen worden ist“, erklärt hierzu der Wuppertaler Galerist Rolf Hengesbach, der die Fotokünstler Michael Reisch und Christopher Muller vertritt. Der Kunde habe einen Anspruch darauf, dass ein Print, der sich – trotz Vorkehrungen bei der Hängung – farblich verändere, ersetzt werde. „Wir bestehen jedoch darauf, dass die beschädigte Arbeit an uns zurückgegeben wird oder dass die Vernichtung durch Fotos zweifelsfrei dokumentiert wird“, schränkt Hengesbach ein. Vorher werde ein neu produzierter Print nicht ausgeliefert.

Wer überwacht den Galeristen?

Die Frage stellt sich dann aber, wer den Galeristen überwacht. Ein seriöser Galerist steht für sein Tun gerade. Was aber geschieht, wenn mehrere Galeristen den Künstler vertreten? Die Galerie muss eine Editionsliste bzw. das Werkverzeichnis der Editionen führen“, schlussfolgert Hengesbach; vor allem, wenn der Künstler dies nicht tut. Bei jeder Neuproduktion müsse kontrolliert und festgehalten werden, für wen die Neuproduktion hergestellt, wie sie gekennzeichnet wurde und was mit dem alten Print geschah. Hengesbach pocht auf Präzision: „Eine Dokumentation wird immer wichtiger, weil der Kunstmarkt immer schneller wird.“

Nach den Vorstellungen des Wuppertaler Galeristen bietet es sich gegebenenfalls auch an, schriftlich festzuhalten, ob der Sammler nur das Recht an der Arbeit oder auch das Recht auf die Editionsnummer erworben hat wie es offenbar einzelne ausländische Museen praktizieren. Sie erhalten zusätzlich eine Farbrichtlinie und einen Datensatz. „Etwas Vergleichbares wird im Handel mit Medienkunst praktiziert, wo zwischen dem Verkauf einer DVD und dem Verkauf des Aufführungsrechtes unterschieden wird“, erläutert Hengesbach.

Es zählt, was hinten draufsteht

Für den Hamburger Galerist Robert Morat zählt nur „was hinten drauf steht“. Ich vertraue dem Fotografen, dass er nur sechs Arbeiten macht.“ Die Branche sei klein und überschaubar. „Jeder, der schludert, würde innerhalb kürzester Zeit seinen Ruf verlieren“, ist Morat überzeugt. Die mündliche Zusicherung, dass der Sammler den beschädigten Print durch einen neu produzierten Print ersetzt bekomme, sei gängige Praxis.

Die Schwachstelle sieht Morat auf Seiten des Sammlers. Wir bekommen in der Regel nicht mit, wenn der Sammler weiterverkauft und das Werk in den Sekundärmarkt geht“, gibt er zu bedenken. Das bedeutet: „Wir können unsere Kunden nur bitten, uns in so einem Fall zu informieren.“ Gegebenenfalls bietet sich an, dass sich der Künstler oder die Galerie ein Vorkaufsrecht an der Arbeit sichert.“

Seite 1:

Vertrauen ist gut, Kontrolle aber besser

Seite 2:

Reinigt sich der Markt selber?

Kommentare zu " Fotokunst: Vertrauen ist gut, Kontrolle aber besser"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%