Fotomarkt
Bewaffneter Berufsrevolutionär unter dem Hammer

Nicht Masse, aber ausreichend Klasse in allen Preislagen bieten die deutschen Fotoauktionen. Das zeigt ein Blick in die Kataloge von Bassenge, Villa Grisebach, Lempertz und Van Ham. Das Angebot setzt markante Akzente und hat viele Facetten. Ein Vorbericht.
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KÖLN. Fotografie ist in diesem Herbst keine Mangelware. Das Angebot setzt aber auch nicht auf Masse wie ein Blick in die Kataloge der deutschen Fotoversteigerer beweist. Dabei springt mehr niveauvolles Material als im Frühjahr ins Auge, auch in den günstigeren Preislagen. Das Angebot hat einiges Format und viele Facetten.

Sammler, die das 19. Jahrhundert bevorzugen, werden am 2. Dezember 2009 vor allem bei Bassenge in Berlin, in geringem Umfang auch bei Lempertz Auktionen, Köln, fündig (4. Dezember). Das aufregendste Stück aber ist bei dem Berliner Versteigerer zu finden: eine sehr gut erhaltene Daguerreotypie des bewaffneten Berufsrevolutionärs und Literaten Harro Harring. 15 000 Euro sind für das historisch bedeutende, großformatige Halbfigurenporträt angesetzt, das der deutsche Fotograf Carl Ferdinand Stelzner 1848 mit Sinn für den dramatischen, im besten Sinne weltläufigen Lebensweg des Porträtierten umsetzte. Eine Taxe, die noch Spielraum nach oben zulässt.

Motivisch aus dem Rahmen fallen bei Bassenge auch die beiden Panorama-Ansichten aus dem asiatischen Raum. Das attraktivere von beiden setzt sich aus vier Salzpapier-Abzügen zusammen. Es stammt aus dem Atelier von Dutton & Michaels und zeigt die frühe amerikanische Handelsstation in Canton am Pearl River, einer heute flächendeckend besiedelten Mega-Urbanisation Chinas (6 000 Euro).

Die Zeitschrift "Camera Work" schrieb Fotografiegeschichte

Lempertz punktet in seinem ansehnlichen Katalog zum 20-Jährigen Jubiläum seiner Fotoauktionen mit einer 71 Lose umfassenden Passage aus der legendären Zeitschrift "Camera Work". Ihren Ruf verdankt das von Alfred Stieglitz herausgegebene Blatt seinen Reproduktionen in feinsten tonalen Abstufungen. Aus der 48. Ausgabe von 1916 stammt Paul Strands monumental aufgefasstes New York-Motiv, das auf 3 000 bis 4 000 Euro geschätzt ist

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Die Klassiker der Moderne haben ihren Höhepunkt in dem von Curt Rehbein fotografierten gläsernen Wolkenkratzer-Modell Mies van der Rohes (1922), den die Villa Grisebach am 26. November anbietet. Eine Widmung van der Rohes an den Architekten Peter Behrens rechtfertigt die Taxe von 18 000 bis 24 000 Euro, die um 3 000 Euro höher liegt als bei einem vergleichbaren Abzug aus der Frühjahrsauktion. Stattliche Preise von je 10 000 bis 15 000 Euro werden für die späteren Abzüge zweier Steichen-Bilder aus den 1920er- und 1930er-Jahren erwartet. Bei Bassenge fallen Brassais szenische Aufnahmen spärlich bekleideter Frauen (zwischen 3 000 und 4 000 Euro) und eine mit 7 500 Euro taxierte Collage des Bauhaus-Künstlers Otto Hofmann ins Auge.

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