François und Marithé Girbaud bringen Bewegung ins ewige Blau der unkaputtbaren Hosenmode
Provokation mit dem Abendmahl

Tote Fische schwimmen in einem angelegten Teich am alten, stillgelegten Bahnhof Leopolda in Florenz. Aber sie sind nicht echt. Ihre kieloben treibenden Plastikbäuche sollen demonstrieren: So giftig kann Mode sein, schon bevor sie zum Tragen kommt - wenn zum Beispiel Jeans ge- oder entfärbt werden.

HB DÜSSELDORF.In einem anderen Becken ziehen lebendige Fischlein munter ihre Bahnen. "Wir brauchen die alten Färbemethoden nicht mehr. Besondere Effekte erreichen wir heute viel besser mit Lasertechnik", erklärt François Girbaud, französischer Schneider himmlisch blauer Hosen.

Die Modemessemacher geben auch Nicht-Italienern eine Plattform in ihrem alten Bahnhof. Vorausgesetzt, sie haben eine ungewöhnliche Modebotschaft zu verkünden, wie Marithé und François Girbaud. Es ist das erste Mal, dass die Herrenmodemesse Pitti Uomo einem industriellen Designer eine Ausstellung widmet. Schon im Januar liefen die Florentiner und ihre Gäste über einen blauen Teppich, der jetzt zu Hosen verarbeitet werden soll.

Ist der französische Name auch ein Geheimtipp in der Szene, bekannter ist die Arbeit des Paares durch die Marke "Closed". Das waren in den 80er-Jahren die Hosen, die das Etikett an der pikanten Stelle trugen. Die Werbeträgerin war 1982 Jennifer Beals, Hauptdarstellerin des Films "Flashdance".

Eine Wand voller Hosen-Silhouetten löste in Florenz Erinnerungen aus bei jene, die früher die Jeans vom Grabbeltisch griffen und heute ihre "Girbaud" (für rund 250 Euro) mit edlen ungefütterten Leinen-Jacketts und Seiden-Schlipsen kombinieren: "Weißt du noch, damals, als die Waden noch in enge Röhren passten, die Hosen Schlag hatten, der Bund auf die Hüften rutschte, Blue Jeans plötzlich weiß, rot oder schwarz und durchlöchert waren und - das ist gerade wieder angesagt - aussahen wie kunstgestopft?"

Mag die Arbeitshose auch in den USA zugeritten worden sein, kultiviert wurde sie in Europa, in der Metropole der Haute Couture. Ausgerechnet "Western Boutique" hieß der Pariser Laden, in dem sich Marithé Bachellerie und François Girbaud 1964 kennen lernten.

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