Frankfurter Buchmesse 2011
Comics erobern Literaturverlage

Früher hießen sie Comics, heute Graphic Novels. Inzwischen werden die Bildergeschichten auch von renommierten Verlagen wie Suhrkamp geschätzt und ins Programm aufgenommen.
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FrankfurtEs ist so etwas wie der Ritterschlag für ein Genre, das früher nicht so ganz ernst genommen wurde: Der Suhrkamp Verlag veröffentlicht in diesem Winter seinen ersten Comic. Gut, man nennt es jetzt Graphic Novel und außerdem handelt es sich um die Adaption eines literarischen Klassikers - Thomas Bernhards „Alte Meister“. Aber dennoch zeigt sich daran, dass die Hüter des geschriebene Wortes nicht mehr auf gemalte Bilder herabblicken.

Auch im Programm anderer Belletristik-Verlage finden sich Graphic Novels über Themen, die von „Micky Maus“ weit entfernt sind: Bei Knaus gibt es ein Comic-Porträt des Philosophen Friedrich Nietzsche. Knesebeck hat Dantes „Göttliche Komödie“ auf 128 gemalte Seiten eingedampft. DVA hat einen historischen Krimi mit Inspektor Kajetan als Comic herausgebracht. Eine gezeichnete Einführung in den Buddhismus findet sich bei Bastei Lübbe. Atrium hat einen „Logicomix“ im Angebot: Ein philosophischer Roman in Comicform „über Logik, Mathematik und die größte aller Fragen: Was ist die Wahrheit?“.

Wolfgang Strzyz, der das Comic-Zentrum der Buchmesse mitgestaltet, sieht mehrere Gründe für das steigende Interesse: Das Comic-Publikum ist älter geworden und es will „Comics von Erwachsenen für Erwachsene“. Zudem berichten selbst die Feuilletons großer Zeitungen inzwischen über Graphic Novels, auf der Buchmesse wird das Thema als ernsthaft wahrgenommen. „Und es gibt einfach sehr viele gute Geschichten.“

Die „Süddeutsche Zeitung“ hat eine eigene Edition mit Graphic-Novel-Klassikern herausgebracht. Zu den zehn Bänden gehören zum Beispiel die - inzwischen auch verfilmten - politischen Comics „Waltz with Bashir“ über den Libanonkrieg und „Persepolis“ über die islamische Revolution im Iran.

Bislang waren Comics eher das Geschäft von kleinen spezialisierten Verlagen wie Carlsen, Edition Moderne oder Reproduct. Auch in deren Sortiment findet sich inzwischen Anspruchsvolles für den gebildeten Literaturfreund - zum Beispiel der Sammelband von Walde+Graf, in dem 17 Zeichner die Geschichte der Beat-Literatur nacherzählen.

Für die Nischenanbieter sei die neue Konkurrenz durch die großen Verlagshäuser „durchaus heikel“, sagt Branchenkenner Stzyz. „So viele interessante Künstler gibt's dann ja auch nicht.“ Ralf König zeichnet zum Beispiel inzwischen bei Rowohlt. Zudem seien Comics ein schwieriges Geschäftsfeld: „Die Auflagen sind sehr gering.“ Selbst Bestseller kämen selten über 5000 Exemplare. „Da stellt sich schon die Frage, ob die das dann nicht schnell wieder einstellen.“

Der Suhrkamp-Comic soll jedenfalls der Auftakt sein für eine ganze Reihe: Klassiker aus dem Verlagsprogramm - zum Beispiel von Hermann Hesse - oder rechtefreie ältere Titel - zum Beispiel von Herman Melville - sind als Graphic-Novel-Adaption in Planung. Zielgruppe seien sowohl Kenner dieser Klassiker als auch ein eher literaturfernes Comic-Publikum. „Vielleicht nimmt man ihnen mit den Graphic Novels die Schwellenangst“, sagt Sprecherin Tanja Postpischil.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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