Frankfurter Buchmesse: Auftakt mit Bekenntnis zur Freiheit des Wortes

Frankfurter Buchmesse
Auftakt mit Bekenntnis zur Freiheit des Wortes

Die bedrohte Meinungsfreiheit in Europa - insbesondere in der Türkei - steht zur Eröffnung der Buchmesse im Zentrum. Auf der Feier wird ein Brief einer inhaftierten türkischen Autorin verlesen.

Frankfurt/MainMit einem Bekenntnis zur Meinungsfreiheit und der Warnung vor Nationalismus und Intoleranz in Europa hat die 68. Frankfurter Buchmesse begonnen. „Es gilt, unser europäisches Gesellschaftsmodell gegen die Feinde der Freiheit zu verteidigen“, sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) bei der Eröffnungsfeier. Er forderte einen „Aufstand der Anständigen“ gegen den wachsenden Populismus in Europa.

An der Eröffnungsfeier nahmen auch die Könige Philippe von Belgien und Willem-Alexander der Niederlande teil. Flandern und die Niederlande sind in diesem Jahr Ehrengast der Messe.

Mit dem wiederbelebten Nationalismus werde ein „Topos aus der Mottenkiste hervorgeholt“, sagte Schulz. Populisten spalteten damit bewusst die Gesellschaft und hetzten Menschen aufeinander. Die europäische Einigung sei ein großes Geschenk, ja ein Wunder. „Als Europäer haben wir uns gegenseitig geschworen, es in diesem Jahrhundert besser zu machen, als zu Beginn des letzten. Jetzt ist dafür unsere Bewährungsprobe“, sagte der SPD-Politiker.

Schulz erklärte sich zugleich solidarisch mit einem Aufruf der deutschen Bucbbranche zur Freilassung aller in der Türkei inhaftierten Autoren und Journalisten. „Lassen Sie diese Leute frei“, appellierte er an die türkische Regierung und Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

Online-Petition zum Schutz von Meinungs- und Pressefreiheit

Zuvor hatte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, einen Brief der türkischen Schriftstellerin Asli Erdogan aus dem Gefängnis in Istanbul verlesen. „Hinter Steinen, Beton und Stacheldraht rufe ich - wie aus einem Brunnenschacht - zu euch: Hier in meinem Land lässt man mit einer unvorstellbaren Rohheit das Gewissen verkommen. Dabei wird gewohnheitsmäßig und wie blind versucht, die Wahrheit zu töten.“

Riethmüller warf der Politik vor, zur Menschenrechtslage in der Türkei zu schweigen, um das Flüchtlingsabkommen nicht zu gefährden. In einer Online-Petition (#FreeWordsTurkey) werden Bundesregierung und EU-Kommission aufgefordert, die Meinungs- und Pressefreiheit kompromisslos zu verteidigen. Die vor einigen Wochen gestartete Initiative von Börsenverein und PEN-Zentrum Deutschland wurde bisher von rund 80 000 Menschen unterzeichnet.

Zur weltgrößten Buchmesse werden bis Sonntag mehr als 7000 Aussteller aus rund 100 Ländern erwartet. Rund um die Messe wird es rund 4000 Veranstaltungen mit etwa 600 Autoren geben. Insgesamt rechnen die Organisatoren mit rund 300 000 Besuchern.

Der Auftritt des Ehrengastes Niederlande und Flandern, die einen gemeinsamen Sprach- und Kulturraum teilen, steht unter dem Motto „Dies ist, was wir teilen“. In einem Sonderwagen der niederländischen Bahn fuhren am Dienstagmorgen mehrere Dutzend Autoren, Verleger und die Kulturministerin Jet Bussemaker aus Amsterdam nach Frankfurt ab. Zur Reisegesellschaft gehörten unter anderem die Bestsellerautoren Leon de Winter, Jessica Durlacher, Connie Palmen und Tommy Wieringa.

„Literatur kann helfen, die Welt zu sortieren“, sagte der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Juergen Boos. „Und die Buchmesse hilft Autoren und Verlagen bei dieser Sortierarbeit.“ Neu ist in diesem Jahr der Schwerpunkt „The Arts+“, eine Messe innerhalb der Messe und eine Konferenz zum Thema Digitalisierung der Kunst. „Nach der Musik- und Filmindustrie und der Verlagsbranche erreicht die Digitalisierung nun langsam aber sicher auch den Kunst- und Kulturbetrieb“, erklären die Organisatoren.

Zum Auftakt von „The Arts+“ lud die Messe den britischen Maler David Hockney ein. Er brachte Bilder mit, die er auf einem iPad gemalt hat. Tablet-Computer seien „ein wunderbares neues Medium“ für Künstler, sagte der 79-Jährige. „Alles, was man braucht, ist da per Fingertipp.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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