Frankfurter Buchmesse
Ein Sonnenbad für die katalanische Kultur

Katalonien ist in diesem Jahr Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Im Vorfeld gab es viel Streit. Sollten auch spanischsprachige- oder dürften nur katalanischsprachige Autoren kommen? Ein überflüssiger Streit, geht es doch darum die katalanische Kultur in Europa besser bekannt zu machen.

FRANKFURT. „Ich habe noch nie eine Rede gehalten, und ich weiß auch nicht, ob ich das kann“, sagt Quim Monzó. Und dann lächelt er und fast scheint es, er würde am liebsten wieder vom Rednerpult abtreten. „Oh, déu meu!“, wie es auf Katalanisch heißt. Mein Gott! Vor dem 55-Jährigen, der der populärste Intellektuelle Kataloniens ist, und der jetzt die Eröffnungsrede der Frankfurter Buchmesse halten soll, sitzen immerhin so erlesene Hörer wie Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, Petra Roth, Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main, Peer Steinbrück, deutscher Finanzminister, und José Montilla Aguilera, Präsident der Katalanischen Regierung. Doch Monzá hält inne. Er provoziert eben gerne. Genau wie sein Land. Katalonien ist in diesem Jahr Ehrengast der Frankfurter Buchmesse.

Viel Streit gab es schon im Vorfeld der Messe. Da hackten sich Katalanen und Restspanier die Augen darüber aus, warum der und nicht der andere auf der Buchmesse eingeladen sei. Sollten auch spanischsprachige- oder dürften nur katalanischsprachige Autoren kommen? Katalonien sei doch viel zu klein, die Sprache eine untergehende Mundart, die katalanische Tradition nicht altehrwürdig genug.

Ein überflüssiger Streit. Zumindest für Xavier Pla, Kurator der Präsentation Kataloniens auf der Buchmesse. „Der Konflikt ist nicht das große Problem der Autoren“, sagt er. Er sei doch in erster Linie ein politischer. „Wichtig ist doch, dass die katalanische Kultur durch die Buchmesse endlich aus dem Schatten tritt und in Europa besser bekannt wird“, meint Pla. Er fordert: „Sonne für die katalanische Kultur!“

Zumindest wirtschaftlich geht es der Verlagsbranche Kataloniens gut. Die Zahl der Neuerscheinungen auf dem katalanischen Buchmarkt wuchs zuletzt um fünf Prozent, bei katalanischsprachigen Titeln sogar um sieben Prozent – vor allem in den Bereichen Schulbuch, Kinder- und Jugendliteratur und Belletristik. Mit heute rund 150 Verlagen machten die katalanischen Verleger zuletzt einen Umsatz von 1,6 Mrd. Euro. Im Vergleich zu 2001 ist dies ein Anstieg von 8,6 Prozent. Die katalanische Buchbranche ist damit eine der wichtigsten Säulen der katalanischen Wirtschaft. Zudem gilt die Region als das Verlagszentrum Spaniens: Der Anteil katalanischsprachiger Bücher am spanischen Gesamtmarkt beträgt 28 Prozent.

Zu den berühmtesten Autoren zählen neben Monzó: Jaume Cabré, Maria Barbal, Baltasar Porcel, Carme Riera und Joan Francesc Mira. Monzó jedoch gilt als das Genie: Der 1952 in Barcelona geborene Schriftsteller war zuvor Grafikdesigner, Comiczeichner, Kriegsberichterstatter, Drehbuchautor, Übersetzer und Radiokommentator. Auf Deutsch ist sein Buch „Hundert Geschichten“ erschienen.

Dass sich die Katalanen gerne streiten, besonders mit den Spaniern, ist für Monzó normal. „Bei uns machen sich die Leute über alles und jedes Gedanken und ziehen ständig irgendwelche Schlüsse“, sagt er. Buchmessenboss Jürgen Boos sieht die Sache ernster: „Die Ursachen liegen irgendwo zwischen Nationalismus, regionalem Selbstbewusstsein und persönlichen Eitelkeiten. Schade, dass manche spanische Autoren ihr Kommen zur Buchmesse abgesagt haben“, bedauert Boos.

Immer noch warten die Gäste auf Monzás Rede. Und natürlich hält er keine Rede an diesem Abend. Er ist schließlich Schriftsteller. Stattdessen erzählt er lieber eine Geschichte von einem Schriftsteller, der die Eröffnungsrede auf der Buchmesse halten soll.

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