Französische Museen drängen ins Ausland
Exportware Museum

Dem Beispiel des Guggenheimmuseums folgend, drängen nun auch die berühmten Pariser Museen ins Ausland. Das Pariser Centre Pompidou liebäugelt mit China und der Louvre soll eine riesige Zweigstelle in Abu Dhabi aufmachen.

HB PARIS. Dabei wollen sie in Größe und Prestige dem amerikanischen Museum in Nichts nachstehen: Denn für den „Louvre Abu Dhabi“ stehen 30 000 Quadratmeter zur Diskussion und als Architekt kursiert der Name des großen Baumeisters Jean Nouvel, der mit dem im Juni in Paris eröffneten Museum für Stammeskunst, dem Quai Branly, einen hoch gelobten Museumsbau entwarf.

Das Centre Pompidou hat lange Zeit mit Berlin als möglichen Standort für seine Zweigstelle gespielt, sich letztendlich jedoch für China entschieden. Der Direktor des Kulturtempels mitten in Paris, Bruno Racine, steht in engem Kontakt mit den Verantwortlichen in China. „Die Diskussionen mit Schanghai sind weit vorangekommen“, erklärte Racine. Bereits im März 2005 hatte er auch strategische Überlegungen geäußert: „China und Asien entwickeln sich mit unwahrscheinlicher Geschwindigkeit. Mir scheint es wichtig, eine Brücke zwischen China und Frankreich zu schlagen.“

Bei der künftigen Dependance soll es sich um ein 10 000 Quadratmeter großes Museum in dem Schanghaier Stadtteil Luwan handeln, das aus einem Gebäude aus dem Jahr 1908 bestehen soll sowie aus einem Neubau. Das schon bestehende Gebäude soll renoviert und bereits Ende 2007 seine Türen öffnen, der Neubau hingegen erst 2009.

Unterdessen schreiten die Arbeiten an der „Zweigstelle“ des Centre Pompidou in Metz voran. Die 12 000 Quadratmeter große 45 Mill. Euro teure Provinz-Dependance soll Anfang 2007 ihre Türen öffnen. Der Museumsbau ist von seiner Architektur her ebenso futuristisch und innovativ wie einst der vor mehr als 30 Jahren gegründete Kunsttempel in Paris. „Wir besitzen mehr als 40 000 Werke. Dank der Metzer Dependance können wir Teile unserer kostbaren und umfangreichen Sammlungen ausstellen, statt sie in den Archiven versteckt zu halten“, erklärt das Pariser Pompidou.

Der Louvre in Abu-Dhabi ist ein Projekt, hinter dem vor allem Frankreichs Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres steht. Bis Ende diesen Jahres hofft Frankreich, dem arabischen Scheichtum am persischen Golf einen ausgereiften Entwurf vorschlagen zu können. Der Louvre würde sich dann auch zehn Jahre lang um die Ausstellungen und das Programm kümmern. Der arabische Louvre soll Teil eines riesigen Museumsensembles werden. Denn das 65 000 Quadratkilometer große Scheichtum will außer der Louvre- und Guggenheim-Dependance ein Marinemuseum, ein Museum für islamische Kunst und ein Zentrum für lebende Künste gründen.

Der Zeitpunkt für dieses Projekt kommt dem Louvre nicht sehr gelegen. Denn das Museum, das mit 7,5 Mill. Besuchern jährlich zum meist besuchten Museum der Welt gehört, hat alle Hände voll zu tun mit seiner Partnerschaft mit dem High Museum von Atlanta in den USA und seiner zukünftigen Dependance in der nordfranzösischen Stadt Lens, die noch in ihren Anfängen steckt.

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