Französischer Antiquitätenmarkt
„Die besten Stücke für die Biennale aufgehoben“

Das Syndicat national des antiquaires (SNA) ist die Organisation der führenden französischen Kunst- und Antiquitätenhändler. Alle zwei Jahre richtet sie in Paris die „Biennale des Antiquaires“ aus. Stefan Kobel sprach mit dem Interims-Verbandspräsidenten Jean-Gabriel Peyre und dem Präsidenten des Organisationskomitees Hervé Aaron über die Positionierung der Biennale im internationalen Kunstmarkt, Strategien für die Zukunft und über die Situation in Paris.
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ParisWas macht die Biennale des Antiquaires so besonders?
Jean-Gabriel Peyre: Der einzigartige Ort. Sie haben in Paris eine Gruppe von Händlern, die ihre besten Stücke teilweise anderthalb Jahre aufheben, und das in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld. Hier waren zur Eröffnung 6.500 Personen und auf dem Galadinner 1.500 aus aller Welt, was zum Teil dem ehemaligen Präsidenten zu verdanken ist. Die Gäste kamen aus China, aus Brasilien, aus den USA. Es ist für sie eine Tradition, hierher zukommen und außerdem wissen sie, dass sie hier die besten Objekte zu sehen bekommen.

Hat Die SNA Pläne für eine Messe in den USA oder Asien?
Hervé Aaron: Der Plan für die USA im November wird noch verfolgt [Ex-Pavillon of Art and Design]. Die Pläne für Asien müssen vom neuen Vorstand überdacht werden. Die letzten beiden Veranstaltungen haben gezeigt, dass es notwendig ist, mehr mit der Öffentlichkeit zu arbeiten.

Stammt die Planung für die USA und Asien aus Ihrer Präsidentschaft oder aus der Zeit Christian Deydiers, des im Juli überraschend aus dem Amt gekegelten Präsidenten?
Aaron: Die Pläne für die USA waren eine Gelegenheit, die jeder Präsident ergriffen hätte. Da gab es einen Streit zwischen dem amerikanischen Veranstalter und seinem Partner [Patrick Perrin], einem französischen Händler. Daraufhin sind wir als Partner eingestiegen. Beides ist während Deydiers Präsidentschaft passiert.

Zu Asien gibt es nur Ideen. Wie Sie wissen, wollten Tefaf und Sotheby's eine Messe machen und haben die Pläne aufgegeben, in Russland gab es eine ähnliche Entwicklung. Für jede Organisation (Messen und Museen) ist es wichtig, in diesen Ländern bekannter zu werden. Es gibt zurzeit keine Pläne, in Asien eine Messe unter dem Namen der SNA zu machen. Aber wenn jemand eine Messe in Asien aufbaut, hoffe ich sehr, dass es die SNA ist.

Auf der Biennale des Antiquaires waren viele asiatische Besucher. Der Tefaf in Maastricht ist es nie gelungen, nennenswert Asiaten nach Europa zu holen. Was haben Sie anders gemacht?
Aaron: Im Gegensatz zur Tefaf haben wir Wallace Chan angeworben [Star-Juwelier aus Hongkong]. Das habe ich organisiert. Er war vor vier Jahren zuerst hier. Das und der Fakt, dass Deydier Kontakte in Asien hat, hat es vielleicht einfacher gemacht, in diesen Markt einzudringen. Nach dem Dinner in Versailles wurde deutlich, dass es wohl die Juwelen waren, die die Chinesen hergebracht haben.

Was heißt das für Kunst- und Antiquitätenhändler, wenn Sie für die Asiaten die Präsenz der Juweliere verstärken müssen? Stört das nicht das Gleichgewicht?
Peyre: Die Menschen, die Juwelen lieben, kaufen tatsächlich auch Kunst und Antiquitäten. Die Entwicklung der Chinesen ist unglaublich. Sie lernen so schnell. Und sie interessieren sich immer mehr für westliche Kunst.
Aaron: Das ist eine sehr wichtige Frage. Persönlich - denn ich bin nur temporär hier - glaube ich, dass die Juwelenhändler immer Partner der Biennale waren. Das ist nichts Neues. Wir müssen irgendwie zusehen, dass die Messe ein Gleichgewicht findet zwischen Juwelen und Kunsthändlern.

Wo sehen Sie sich im Wettbewerb der Messen?
Aaron: Die Biennale hat auf dem Antiquitätengebiet etwas verloren gegenüber der Tefaf, aber aufgrund der Standortvorteile hat die Messe auf dem Luxusgebiet gewonnen. Jetzt müssen wir wieder an den Antiquitäten arbeiten. Wir haben in Paris das gewisse „Art de vivre“. Das kann Maastricht nicht bieten. Der Marktplatz Paris ist wichtiger als die Biennale, die nur das Mutterschiff ist.

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"Früher gab es zehn Keramikhändler, heute zwei"

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