Frau führt „Saudi Gazette“
Saudi-Arabien hat die erste Chefredakteurin

Autofahren darf sie nicht, aber nun führt sie eine Tageszeitung: Somayya Jabarti ist Saudi-Arabiens erste Chefredakteurin. Für das konservative Königreich ist das ein Meilenstein, ihr Einfluss bleibt aber wohl begrenzt.
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DüsseldorfSich als Frau hinters Steuer eines Autos zu setzen, kommt in Saudi Arabien einem revolutionären Akt gleich. Eine Zeitung zu leiten, ebenfalls. Doch beides geschieht derzeit in dem Königreich, in dem sich erst seit vergangenen Oktober Frauen immer wieder auf den Fahrersitz setzen und damit die Gesetze und mit den Traditionen brachen und empfindliche Strafen riskierten.

Somayya Jabarti überquert die andere rote Linie: Sie leitet als erste Frau eine saudische Tageszeitung, ist seit wenigen Tagen Chefredakteurin der englischsprachigen „Saudi Gazette“.

Ihr Vorgänger und Mentor Khaled Almaeena hat sich, so schreibt er selbst in der Zeitung, die ihren Sitz im saudischen Küstenort Jeddah hat, dafür stark gemacht, dass Jabarti den Posten bekommt. Schon immer habe er sich gewünscht, dass eine saudische Frau die „von Männern dominierte Bastion der Chefredaktionen“ einnehmen würden, schreibt Almaeena in seinem Abschiedsbeitrag in der Zeitung. Jabartis Ernennung sei aber keine Frage des Geschlechts, sondern einzig der Leistung gewesen.

Jabarti selbst war „überrascht“ gewesen. Sie habe gedacht, dass das Land noch nicht bereit sei für einen weiblichen Chefredakteur. „Aber ich glaube, das ist ein großes Statement. Planlos geschieht das auf jeden Fall nicht.”

Die weltweiten Reaktionen im Social Web waren durchweg positiv: „Das ist ein absolut neuer Schritt für Saudi Arabien“, sagte der saudische Journalist Essam Al Ghalib gegenüber CNN. Doch er sieht auch Probleme, gerade angesichts der Mehrheit in dem wahhabitisch-konservativen Königreich, in dem religiöse und patriarchale Haltungen dominieren und die Verwirklichung von Frauenrechten in Kinderschuhen steckt. Frauen ist es unter anderem verboten, Auto zu fahren, sich frei zu bewegen und ohne männlichen Vormund sind sie nur beschränkt geschäftsfähig.

Jabarti sei zwar sehr qualifiziert. „Aber wir müssen abwarten, wie die Menschen reagieren“, sagt Al Ghalib. Die größte Herausforderung für Jabarti sei es aus seiner Sicht, künftig von den männlichen Journalisten akzeptiert zu werden.

Davon gibt sich die Frau, die saudi-arabische Geschichte schreibt, unbeeindruckt. „Ja, es ist ein von Männern dominierter Bereich, wie es bei vielen Medien auf der Welt der Fall ist“, sagte sie CNN. „Es ist zweifelsohne eine Herausforderung, aber der erste Schritt ist gemacht. Das ist nur der Startschuss.“ Die gläserne Decke habe einen Riss bekommen, jetzt hofft sie darauf, „daraus eine Tür“ für die Frauen zu machen. Es gebe bereits viel mehr Frauen in den Redaktionen als Männer, schlechtweg, weil viel mehr Frauen sich für den Beruf des Journalisten entscheiden würden.

„Jetzt habe ich eine doppelte Verantwortung“, gegenüber der Zeitung und den Mitarbeitern auf der einen und gegenüber den saudischen Frauen auf der anderen Seite, sagte Jabarti gegenüber der israelischen Zeitung Haaretz. „Was ich tue, wird auf die anderen saudischen Frauen ausstrahlen“, sagte sie. Sexistische Anfeindungen habe sie, so sagte sie gegenüber der BBC, bislang im Job bei der Saudi Gazette nicht erfahren.

Jabarti begann ihre journalistische Karriere 2003 als Reporterin und Übersetzerin für Arab News, damals von Al Maeena geleitet. Schließlich schaffte sie den Sprung auf den Posten der stellvertretenden Chefredakteurin unter Almaeena.

Bereits das war ein Novum gewesen. Doch Almaeena verließ die Zeitung und nahm sich eine zwei Jahre währende Auszeit. Doch dann ging er in gleicher Funktion zu der Saudi Gazette ¬ und holte seinen Zögling Jabarti nach. Almaeena hatte den Konkurrenztitel Arab News von 1982 bis 1993 und von 1998 bis 2011 geleitet. Die Saudi Gazette, die nun von Jabarti geleitet wird, hat eine Auflage von 47.000 Exemplaren, wie Almaeena im September gegenüber Al Arabiya gesagt hatte.

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  • Ich hatte die Saudi Gazette immer gern gelesen wenn ich im Lande war. Dadurch lernte man auch schnell die unterschiedliche Einstellung der Menschen im Königreich Saudi Arabien zu vielen Dingen kennen.

    Beispielsweise wurde von einer Frau berichtet die von mehreren Männern mitgenommen und ....wurde. Sie wurde schwanger, wollte abtreiben und da der Arzt dies den Behörden mitteilte erhielt Sie dafür eine Gefängnisstrafe und Peitschenhiebe...

    Von unserem eigenen Dienstmädchen wussten wir, dass die Damen des Hauses Dienstmädchen gerne mit dem heissen Bügeleisen auf den blanken... bestrafen wenn diese nicht spuren, oder aus Wut wenn der Herr des Hauses..... In der Saudi Gazette wunderte man sich dann warum soviele Phillipinas in der Botschaft Schutz suchten.

    Ich weiss nicht warum man jetzt eine Frau zu Chefredakteurin ernennt. Meines Erachtens wäre es sinnvoller einen Ausländer der reale Artikel schreibt und arbeitet zum Chefredakteur zu ernennen.

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