Fred Jahn: Moden nicht hinterhergelaufen

Fred Jahn
Moden nicht hinterhergelaufen

Fred Jahn erhält den Art Cologne-Preis 2013. Der eher zurückhaltende Galerist ist ein großer Kenner der zeitgenössischen Kunst auf Papier. Ausgezeichnet wird der Münchner Galerist aber auch für sein profundes kulturhistorisches Wissen.
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DüsseldorfFred Jahn ist keiner von denen, die schon mal gerne „auf den Putz hauen“. Der Münchner Galerist gehört eher zu den Stilleren seiner Zunft. Dazu passt das Spezialgebiet, dem sich Jahn verschrieben hat. Seit Gründung seiner eigenen Galerie im Jahr 1978 sind Zeichnungen und Arbeiten auf Papier der Dreh- und Angelpunkt seiner Tätigkeit. Jetzt soll er mit dem Art Cologne-Preis 2013 ausgezeichnet werden. „Gott-sei-Dank“ sagt er mit Blick auf den Termin der Preisverleihung am 19. April. „Dann habe ich noch ein paar Monate Zeit, um mich seelisch darauf einzustellen“.

„In Fred Jahn verbinden sich profundes kulturhistorisches Wissen und Kennerschaft mit den wirtschaftlichen Ambitionen eines Kunsthändlers auf höchstem Niveau“. So begründen der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG) und die Kölnmesse die Auszeichnung in ihrer gemeinsamen Presseerklärung. Seine Laufbahn begann 1965 in der Galerie von Raimund Thomas. Jahn, Jahrgang 1944, brachte jedoch schon nützliche Berufserfahrung mit. Er hatte als gelernter Großhandelskaufmann bereits bei der Süddeutschen Zeitung und bei einem kleinen Verlag gearbeitet.

Überzeugen mit marktfrischem Material

Fred Jahn hat diverse Moden nicht mitgemacht, unter anderem das Wachstum zur Riesengalerie. So überschaubar seine im 1. Stock gelegene Galerie geblieben ist, so gemäßigt sind auch die Formate, die er für fein komponierte Ausstellungen zusammenstellt. Jahn beeindruckt nicht mit Quadratmetern, sondern mit brillanten Arbeiten, mit Werken auf Papier, die Gemälden an Attraktion in nichts nachstehen. Kraft seiner jahrzehntelangen Verbindungen kommt er an Material, das den Betrachter ins Staunen versetzt: marktfrisch und überzeugend.

„Ich habe versucht, nicht in eine gigantische Struktur hineinzugeraten“, bekennt der Münchner. Deshalb war auch das Abenteuer Amerika, das aus der Partnerschaft mit dem Galeristen Heiner Friedrich erwuchs, irgendwann beendet. In den 1980er- bis Anfang der neunziger Jahre unterhielt Jahn zusätzlich zu seinen Münchner Räumen ein Loft in New York, vorwiegend um Joint Ventures mit anderen Galerien zu betreuen.

Leidenschaft für Editionen

„Wahnsinnig viele Werkverzeichnisse hat Fred Jahn herausgegeben“, sagt Birgit Maria Sturm, Geschäftsführerin des BVDG. Er selber nennt als erstes die beiden Bände über die Druckgraphik von Georg Baselitz bis 1984. Gleich darauf fallen die Namen Palermo und Gerhard Richter, dessen erstes Verzeichnis der Editionen auf Jahns Konto geht. Es sind Künstler, die der Galerist auch selber sammelte. Mitte der 1970er-Jahre, verkaufte er seine Bestände an das Museum Morsbroich in Leverkusen. Die Leidenschaft für Editionen reicht zeitlich jedoch bis in die sechziger Jahre zurück. Schon 1968 erschien im Verlag des Physikers Gernot v. Pape seine „Edition X“, 1969 die erste Richter-Mappe.

Einsatz für die Kölner Antiquitätenmesse

Die Liste der Verdienste Jahns ist lang. BVDG und Kölnmesse würdigen auch den kulturhistorischen Interessenhorizont des Galeristen, der viele Monographien über afrikanische Stammeskunst und japanische Keramik schrieb und über zwei Jahrzehnte eine eigene zusätzliche Galerie für angewandte Kunst betrieb. Seine wichtigste Tat in jüngerer Zeit war die Einführung der Sektion Papierarbeiten 2011 auf der Antiquitätenmesse Cologne Fine Art & Antiques. So ließen sich renommierte Händler wie Arnoldi-Livie, C.G. Boerner und Katrin Bellinger nach Köln locken.

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