Freier Eintritt für alle jenseits 50
Grauhaarige stürmen Roskilde-Festival

Sie waren schon vor einem Vierteljahrhundert dabei, und jetzt wollen sie der Jugend wieder einmal zeigen, wie man Musikgenuss mit gehörigem Bierkonsum kombiniert. Das Rockfestival im dänischen Roskilde bereitet sich auf eine Invasion der Grauhaarigen vor.

HB ROSKILDE. Zum Abschluss beim traditionsreichsten europäischen Rockfestival haben am Sonntag alle jenseits der 50 freien Eintritt. Rund 15 000 jung gebliebene, wenn auch äußerlich „gereifte“ Rockfans sind in den vergangenen Jahren auf den Festivalplatz gepilgert, um Kindern und Enkeln Gesellschaft zu leisten. Viele von ihnen waren schon dabei, als Ian Dury mit seinen Blockheads 1981 von der orangenen Riesenbühne sang, worum es bei derlei Veranstaltungen nun mal für die meisten geht: „Sex and Drugs and Rock'n'Roll“.

Inzwischen werben die Roskilde-Veranstalter politisch superkorrekt dafür, das man die Finger von Haschisch und allen härteren Drogen lassen soll. Bleibt das Bier, das in Roskilde nicht als legale „weiche Droge“, sondern eher als eine Art Grundnahrungsmittel oder Einheitswährung gilt. Hier, so der optische Eindruck, können viele Ältere den Jugendlichen doch noch irgendwie zeigen, was eine Harke ist. In Roskilde gehört es jedenfalls fast zum guten Ton, permanent mit angewinkeltem Arm und Bier gefülltem Plastikbecher in der Hand zu schlendern. Die erfahrenen Festivalsenioren beherrschen das deutlich eleganter, routinierter und gelassener als die nachdrängende Jugend.

Erotische Versuchungen

Naturgemäß etwas weniger erfreulich für die reiferen Damen und älteren Herren wird wohl die vergleichende Betrachtung zum Festival- Thema Sex ausfallen. Etwa 50 000 junge Leute zwischen 16 und 26 werden am Sonntag schon knapp eine Woche auf dem gigantischen Roskilde-Campingplatz hinter sich heben. Gigantisch sind dort sicher auch die erotischen Verlockungen, die für die älteren Tagesbesucher am Sonntag vermutlich nicht mehr als ein ferner Traum sein können. Trösten mag sie der Gedanke, dass die eigenen Kinder jetzt dran sind, ihren Spaß zu haben. Und der erfreuliche Anblick unglaublich vieler schöner junger Leute mit unglaublich freundlichen Gesichtern. Umgekehrt freuen sich ja vielleicht Jüngere sogar aufs Älterwerden, wenn sie ihre eigenen oder andere Eltern quietschvergnügt, entspannt und mitunter sogar Händchen haltend im Publikum erspähen - trotz grauer Haare und Bauchansatz.

Bleibt die Musik. Klassischer Rock ist Mangelware geworden auf den sechs Roskilde-Bühnen mit insgesamt 130 Bands. Unvoreingenommenheit hilft da sehr, wenn zum Beispiel die fantastische dänische HipHopband „Ikscheltaschel“ in ihrer selbst erdachten Sprache, einer dadaistischen Mischung aus Flämisch, Deutsch und allem Möglichen, loslegt: „Getaufel ischel progologo“.

Vertrauter wäre den auf die Rente Zumarschierenden vielleicht der Text von „Paranoid“ aus Zeiten, als die eigenen Haare noch lang und reichlich vorhanden waren. Aber Heavy-Veteran Ozzy Osborne (57) und Black Sabbath als Topstars dieses 35. Festivals sind am Sonntag längst wieder abgezogen. Dafür kann man sich auf den 63-jährigen Brian Wilson freuen. Zwar hat der ehemalige Beach Boy nicht den bei heimischen Grillpartys so gern gedudelten Sommerhit „Kokomo“ auf dem Programm. Aber mit Hits wie „Surfer Girl“, „God Only Knows“ und „Barbara Ann“ dürften sich Rock-Nostalgiker auch gut bedient fühlen.

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