Freizeit
Autokinos erleben in den USA ein Comeback

Während Autokinos in Amerika gerade ein Comeback erleben, kämpfen sie in Deutschland ums Überleben. Schuld ist nicht nur die Kokurrenz durch den heimischen Videorekorder.

DÜSSELDORF. Sie liegen meist an der Peripherie der Städte, versteckt hinter Bäumen und Büschen, mit Eingängen, die an ein Stadionhäuschen erinnern, mit einer großen weißen Wand an der Stirnseite und einem großen Parkplatz davor, der mit Ständern gespickt ist, an denen kleine Lautsprecher und Heizlüfter hängen.

Erst in der Dämmerung, wenn der Projektorstrahl die Wand trifft, verwandeln sich Autokinos in bunte Lichtspielplätze. Man stellt die Funkfrequenz am Autoradio ein, holt sich an der Snackbar eine Tüte Fritten und klappt die Lehnen zurück - ein nostalgisches Vergnügen, das in Amerika ein Comeback erlebt, just 70 Jahre nach der Eröffnung des ersten Autokinos in New Jersey am 6. Juni 1933. Von den einst mehr als 4000 amerikanischen Autokinos, die nach dem Niedergang in der Achtziger Jahren zum Teil wie Popkulturruinen in der Landschaft standen, sind etliche restauriert, andere neu gebaut worden. Demnächst könnten wieder an die 1000 Autokinos bespielt werden.

Konkurrenz durch Videos

In Deutschland gibt es noch gut zwanzig. Nach Gravenbruch bei Frankfurt, ins älteste Autokino Europas, kamen in der Anfangszeit 500.000 Besucher im Jahr. Die Autokinos gehörten zu den größten Umsatzträgern der deutschen Filmwirtschaft. Noch in den späten Siebzigerjahren brummte das Geschäft mit Bud-Spencer-Filmen und Sexjux. Erst in den Achtzigern kam der Einbruch durch die Einführung der Videos und die veränderten Hörgewohnheiten: Wer Dolby-Stereo-Ton gewohnt war, begnügte sich nicht mehr mit an der Autotür montierbaren Monolautsprechern.

Seit der Freigabe der Frequenzen kommt der Ton seidenweich aus dem Radio. Trotzdem hat das Publikumsinteresse abgenommen. Etliche Autokinos mussten geschlossen werden, zuletzt die Standorte in Hamburg und Nürnberg. Die überdimensionierten Drive-ins der Starnberger Firma Walter H. Jann leben inzwischen vor allem von Auto- und Trödelmärkten am Wochenende.

Die Autokinos in Ramstein (Westpfalz) und Schwelm (bei Wuppertal) dagegen verzeichnen in den vergangenen Jahren wieder leicht ansteigende Besucherzahlen. Und in den Neuen Ländern, wo nach der Wende zwölf neue Standorte entstanden, können sich einige Autokinos am Markt behaupten - vorausgesetzt, die Verkehrsanbindung ist gut, im Umkreis von 50 Kilometern leben 500.000 Menschen und es gibt kein Multiplex-Kino in der Nähe.

Mehr über den Überlebenskampf der Autokinos und eine Bildergalerie finden Sie bei www.wiwo.de

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