Friederike Bauers Biografie über Kofi Annan analysiert das Dilemma der Vereinten Nationen
Tragik und Ohnmacht eines Generalsekretärs

Haus, Chauffeur und Bodyguards sind die einzigen Insignien der Macht, über die ein Generalsekretär der Vereinten Nationen verfügt. Diese Feststellung darf man wohl als Kernsentenz in Friederike Bauers Buch über Kofi Annan werten. Damit verrät die Autorin zwar keine Neuigkeit. Mit diesem Defizit mussten alle Uno-Generalsekretäre leben. Aber bei Kofi Annan tritt es besonders krass zu Tage.

HB DÜSSElDORF. Denn als der Diplomat aus Ghana 1997 als Nachfolger des Ägypters Boutros Boutros-Ghali an die Uno-Spitze trat, ahnte niemand, dass er einmal zur fast ebenso tragischen Figur werden könnte wie sein Vorgänger. Und wieder sind die USA, auf deren Druck Annan erst gewählt worden war, die Strippenzieher.

In der Biografie über Annan, vom Verlag als weltweit erste bezeichnet, listet Friederike Bauer fast minutiös die Gründe dafür auf: Sie attestiert dem Generalsekretär für dessen erste Amtszeit und auch noch für einen Teil der zweiten zu Recht eine durchaus erfolgreiche Politik, mit der er das Image der Uno aufpolieren und auch deren Effizienz verbessern konnte.

Doch dann der Schicksalsschlag: der Krieg gegen den Irak, den die US-Regierung mit anderen, vor allem den Briten, gegen den erklärten Willen Annans anzettelte. Es war, da das Plazet des Sicherheitsrates fehlte, eine klare Verletzung des Völkerrechts. Die Uno konnte sie nicht verhindern. Und bestraft dafür wurde Annan exakt von jenen, die ihn in dieses Dilemma getrieben hatten: Im Weißen Haus, im Kongress, im Pentagon wurde die Uno von den Unilateralisten als unfähig und daher überflüssig beschimpft. Und als der Skandal beim Irak-Programm "Öl für Lebensmittel" aufgedeckt wurde, in den Annans Sohn verwickelt war, war dies natürlich Wasser auf die Mühlen der Kritiker.

Die Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat gründlich recherchiert, hat sich intime Kenntnisse der Materie erarbeitet. Das gilt insbesondere für ihre Informationen über das Privatleben des Generalsekretärs, über dessen Kindheit, dessen Jugend in der Ashanti-Provinz und dessen frühe und lange Karriere in der Uno. Dass sie hin und wieder ins Oberflächliche, seltener ins Unpräzise abgleitet, sind eher lässliche Sünden.

So beispielsweise jene: Sie erwähnt zwar, dass der Uno-Generalsekretär 2001 als bislang einziger Amtsinhaber zu Lebzeiten mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, vergisst aber zu sagen, dass diesen im selben Jahr auch die Uno selbst erhielt. Zu gleichen Teilen mit Annan, was diesen zusätzlich ehrt.

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