Frieze Masters
Mit Beuys unter den Alten

Seit 2012 animiert die Frieze Masters Sammler zeitgenössischer Kunst, die Alte Kunst mit neuen Augen zu betrachten. Sie spannt dabei einen weiten Bogen, der von der Antike bis in das 20. Jahrhundert reicht. In diesem Jahr reisen 120 Aussteller an, darunter zehn Kunsthändler aus Deutschland. Unser Korrespondent Frank Kurzhals hat einen Blick auf ihr Angebot geworfen.
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HamburgWenn am 15. Oktober 2014 die dritte Ausgabe der „Frieze Masters“ an den Start geht, sind einige deutsche Händler erstmals mit von der Partie. Unter ihnen findet sich etwa der auf das 18. und 19. Jahrhundert spezialisierte Münchner Händler Daxer & Marschall oder die Galeristin für Medienkunst Anita Beckers. Daxer & Marschall wird sicher Aufmerksamkeit mit einem nahezu marktfrischen Ölbild von Edvard Munch erhalten. Der 1885 entstandene „Kopf eines jungen Mädchens“ gehört zum Frühwerk von Munch und sorgte schon zur Entstehungszeit für Aufsehen. Die am Naturalismus geschulten Zeitgenossen des Künstlers wurden von seiner freien Malweise abgestoßen. Das kleinformatige Bild galt als Skandal und war unverkäuflich. Jetzt werden 460.000 Euro erwartet.

Weitere Akzente setzt Daxer & Marschall auf Werke von Singer Sargent, Marées und Nolde. Ein Stillleben von Alexander Kanoldt aus dem Jahr 1920 ist mit 250.000 Euro ausgepreist, ein schönes, marktbekanntes Vollmond-Bild von Carl Gustav Carus mit 110.000 Euro.

Schreiben auf Reisen

Auch die Münchner Kunstkammer Georg Laue stellt in London zum ersten Mal aus, und zwar zusammen mit der New Yorker Galerie Peter Freeman. Ihr Angebot reicht von der Gegenwart bis weit in die Vergangenheit. Neben kostbaren Filigrangläsern aus dem Venedig des 16. Jahrhunderts oder einem 4 cm hohen Vanitas-Symbol, einer Mischung aus Totenschädel und Kopf (17. Jahrhundert), zeigt Laue einen höfischen Reiseschreibkasten aus Nürnberg, der um 1570 entstand. Samt, Makassar und feuervergoldete Bronze machen aus ihm eine kleine Preziose, die für 60.000 Pfund zu haben ist.

Ungewöhnlich groß für die Technik ist die auf Kupfer gemalte „Auferstehung Christi“  von Johann König (1585-1642), die von Bernheimer Fine Old Masters mit zur Messe gebracht wird. Die manieristische Komposition, die im November 2012 bei Lempertz für 878.000 Euro inkl. Aufgeld versteigert wurde, sucht nun für 1.9 Millionen Euro einen neuen Liebhaber. Außerdem gibt es von Peter Paul Rubens ein Damenporträt und von Honoré Fragonard eine „Landschaft mit Hirten und einer jungen Frau“ im holländischen Stil. Das Bild, das seit über 200 Jahren als verloren galt, soll 780.000 Euro kosten.

Melancholischer Morgen

Der Hamburger Händler Thomas leClaire konzentriert sich zunehmend stärker auf das 19. und frühe 20 Jahrhundert, was sich auch in seinem aktuellen Messeangebot widerspiegelt. So bringt er ein „Schlafendes Paar“ mit, das 1909 von Egon Schiele virtuos mit Bleistift auf Papier festgehalten wurde (150.000 Euro).

Von Paul Klee stammt der „Morgen Grau“ von 1932, eine komplex komponierte Gouache in Grisaille-Technik, die 300.000 Euro kosten soll. Sie hat eine melancholische Ausstrahlung. Spitzenstück auf dem Stand ist das von Ferdinand Hodler 1910 gemalte Bildnis der „Giulia Leonardi“, das mit 1,2 Millionen Euro ausgepreist ist. Ihr gehörte das berühmte Genfer Café de la Bohème.

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