Frieze New York
Mit dem Wassertaxi zur Messe

Die erste Ausgabe der Frieze New York profitierte vom ungewöhnlichen Ambiente und überzeugte mit einem breiten Angebot an frischer Kunst. Sammler und Galeristen waren begeistert. Auch die Verkäufe konnten sich sehen lassen.
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New YorkDie im Vorfeld lauten Zweifel am abgelegenen Veranstaltungsort Randall‘s Island der ersten Frieze Art Fair New York war nach der VIP-Eröffnung am 3. Mai schnell verstummt. Über fünf Messetage wurde die 20-minütige Anfahrt mit der Personenfähre sogar zum großen Hit. Die Stadt reagierte schnell und vereinbarte mit dem privat geführten New York Wasser Taxi, die Insel weiter an Sommerwochenenden auf dem Wasserweg anzuschließen.

Jeder wollte die Messe testen

Jeder wollte die erste Frieze New York testen, Wochenendtickets waren schnell ausverkauft. Viele der etwa 45.000 Besuchern kamen sicher nur aus Neugierde, aber auch das war den Organisatoren recht. Schließlich gab es auch Frieze Sculpture, Talk oder Projects zu entdecken. Als rundum gelungen wurde das wurmartig gewundene Zeltdesign der Architekten SO-IL akzeptiert und könnte nun umgekehrt die schlichte Londoner Ausgabe in Zugzwang bringen.

„Das war keine übliche Messeerfahrung. Ich habe noch nie so viele begeisterte Kommentare von so vielen verschiedenen Sammlern, Kuratoren und Kritikern gehört. Wir haben viel verkauft! An große New Yorker Sammlungen, auch nach Los Angeles, Israel, London, Schweiz; es war eine sehr internationale Messe“, sagt Lisa Spellman von 303 Gallery (New York). Alessandra D’Aloia von der Galeria Fortes Vilaça (Saõ Paulo) war froh, dabei zu sein: „Wir haben zuletzt vor acht Jahren in New York ausgestellt. Das hier ist die richtige ungewöhnliche Umgebung für eine New Yorker Messe. Wir haben gut verkauft und wichtige Sammler getroffen.“ Aber, so belehrte uns der renommierte Kunstberater Todd Levin in der Wochenzeitung „New York Observer“: „Der wahre Wert einer Messe liegt darin, persönliche Beziehungen zwischen Sammlern und Galeristen herzustellen. Am besten betrachtet man Messen nicht als Transaktionsforum, sonders als Informationsgelegenheit. Kunstkauf ist eine Folgeerscheinung“.

Eine Venus namens Mars

Aber es wurden schnell zahlreiche Verkäufe getätigt. Unter das breite Angebot an frischer Kunst im maximal fünfstelligen Bereich mischten sich einige etablierte Namen wie Hirst (White Cube) oder Baselitz (Werner und Ropac). Gisela Capitain (Köln) verkaufte ihr Kippenberger-Ölbild (1996) für über eine Million Euro nach Europa. Metro Pictures (New York) platzierte ein Cindy Sherman-Foto von 1977 für 950.000 Dollar und Victoria Miro (London) gab vier ‘Infinity Net’-Arbeiten von Yayoi Kusama für je 535.000 Dollar weiter.

Nicht überraschend waren sämtliche sechs neuen Großformate Rudolf Stingels bei Gagosian zum Preis von je 450.000 Dollar sofort vergriffen. Xavier Hufkens (Brüssel) verkaufte auch alle Skulpturen Sterling Rubys. Kostenpunkt: 50.000 bis 200.000 Dollar. Lisson Gallery (London) füllte den Stand mit Großformatigem. Ai Weiweis Marmortüren (2006) und ein Bronzespiegel von Anish Kapoor für 500.000 Pfund gingen schnell weg.

David Zwirner (New York) zeigte Minimalismus, darunter John McCracken, Donald Judd und Larry Bell. Er setzte am ersten Tag über zwei Millionen Dollar um. Sies + Höke (Düsseldorf) verkaufte den großen Stahlguss der Originalform der Venus von Milo namens „Mars“ von Kris Martin zu 120.000 Euro.

Erschöpfung im Laufrad

Im neuen Segment „Focus“ für junge Galerien sahen Alex Zachary Peter Currie (New York) zufrieden aus. Sie zeigten die kalifornische Künstlerin Lutz Bacher, die seit den Siebzigern einen ganz eigenen Konzeptualismus pflegt und gerade in der Whitney Biennale vertreten ist. Alles wurde verkauft zu Preisen zwischen 8.000 bis 50 000 Dollar.

Aber nicht alle Erwartungen erfüllten sich. Für einige erschöpfte Galeristen sind die großen internationalen Messen zu eng getaktet. Zwar bekamen die 17 Berliner Teilnehmer nach ihrem Gallery Weekend von den Frieze-Organisatoren einen Ruhetag zugesprochen, sonst hatte Frieze schon am Mittwoch begonnen. Aber wer am Ball bleiben will, hat innerhalb weniger Wochen auch noch Art Cologne, nun auch noch Frieze New York, die wichtiger werdende  Saõ Paulo Art Fair, Art Hong Kong und schließlich den unangefochtenen Höhepunkt Art Basel im Kalender stehen. Das geht schnell an die Substanz selbst den Teams großer Galerien.

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