Fritz J. Raddatz
Ein intellektueller Unruhestifter wird 80

Der langjährige Feuilleton-Chef der „Zeit“, Fritz J. Raddatz, gehörte zu den bedeutendsten Kulturjournalisten der Bundesrepublik. Am 3. September wird der Kritiker, Romanautor, Schöngeist und Unruhestifter 80 Jahre alt.
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HamburgEr zählte zu den prägenden Akteuren des bundesdeutschen Kulturbetriebs. Der langjährige Feuilleton-Chef der Wochenzeitung „Die Zeit“, Fritz J. Raddatz, war in den 1970er und 80er Jahren einer der einflussreichsten Literaturkritiker. Bis heute schreibt er mit spitzer Feder und ohne Weichzeichner, wie etwa in seinen 2010 veröffentlichten Tagebüchern. Am nächsten Sonnabend (3. September) wird der in Hamburg und auf Sylt lebende Publizist 80 Jahre alt. 

Raddatz, 1931 in Berlin geboren, wuchs ohne Mutter auf. Seine Kindheit war überschattet von der brutalen Erziehung durch den Vater, einen preußischen Offizier. Nach der Schule studierte er unter anderem Germanistik, Geschichte und Theaterwissenschaften an der Humboldt-Universität in Ostberlin. Auf die Promotion 1954 folgte ein Cheflektorat im Ost-Berliner Verlag „Volk und Welt“. Später siedelte er in den Westen über, war stellvertretender Leiter des Rowohlt-Verlags und schließlich „Zeit“-Ressortleiter in Hamburg. 

Der schöngeistige Dandy, der offen bisexuell lebt, erntete während seiner Laufbahn Einfluss und Anerkennung, aber auch Spott und Häme. Etwa als ihn Ungenauigkeiten 1985 den Chefposten beim Feuilleton der „Zeit“ kosteten - damals saß der Oberkritiker einem falschen Goethe-Zitat auf. Er selbst bezeichnete die Entlassung als „beruflichen Herzinfarkt“, „hinausgeworfen wie ein Hund“. 

Als Autor blieb Raddatz noch viele Jahre für die Zeitung tätig. Er veröffentlichte mehr als 25 Bücher - von Porträts und Biografien bis hin zu literarischen Reiseführern. Die Romantrilogie „Kuhauge“ (1984), „Der Wolkentrinker“ (1987) und „Abtreibung“ (1991) war international erfolgreich. Zudem hielt der Kenner in fast allen europäischen Ländern Vorlesungen zur modernen Literaturästhetik. 

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