Kultur + Kunstmarkt
Frühstart in den Advent nervt viele

In Supermarktregalen türmen sich seit Wochen Lebkuchen und Adventskalender, und in Kaufhäusern locken weihnachtlich dekorierte Sonderabteilungen mit Christbaumschmuck und Plastikrentieren.

dpa HAMBURG. In Supermarktregalen türmen sich seit Wochen Lebkuchen und Adventskalender, und in Kaufhäusern locken weihnachtlich dekorierte Sonderabteilungen mit Christbaumschmuck und Plastikrentieren.

Die Vorweihnachtszeit beginnt im Handel lange vor dem ersten Advent, und die Weihnachtsmärkte öffnen bereits am 21. November. Zwar lassen einige schon jetzt ihre Lichterketten aufleuchten, doch vielen Bürgern ist noch nicht nach Glühwein und Weihnachtsshopping zumute.

Die Hamburgerin Doreen Ehlers fühlt sich jedes Jahr aufs Neue genervt vom Frühstart in den Advent: „Meine Familie und ich freuen uns auf Weihnachten, aber wenn schon im Herbst die Nikoläuse in den Regalen stehen, ist die Adventsstimmung verschwunden, bevor sie richtig begonnen hat“, sagt die Mutter von vier Kindern. Wie viele andere Verbraucher kauft sie bis zum Adventsbeginn keine Weihnachtsartikel.

Vor allem die Kirchen machen sich dafür stark, die Adventszeit auf die ursprünglichen vier Wochen vor Weihnachten zu beschränken. Mit ihrer Initiative „Alles hat seine Zeit“ rufen die evangelische und katholische Kirche dazu auf, die Tradition des Advent wieder zu entdecken. Neben dem Einzelhandel unterstützen auch Schaustellerverbände und Verbraucherzentralen die Initiative.

„Wir würden es begrüßen, die Adventszeit im Handel in ihrer eigentlichen Zeit zu belassen“, sagt Ulf Kalkmann, Sprecher des Einzelhandelsverbandes Hamburg. „Manche Menschen scheuen jedoch den Weihnachtstrubel und möchten sich vorher mit allem eindecken, was sie für das Fest brauchen“. Bereits im Herbst gebe es eine Nachfrage nach Weihnachtsartikeln, auf die viele Unternehmen reagierten.

Ein Wirtschaftsfaktor ist die Weihnachtszeit auch aus Sicht des Schaustellerverbandes Hamburg. „Die Branche steht unter Druck und kann bei der Konkurrenz durch große Events nur schwer bestehen“, erläutert Geschäftsführerin Astrid Geissler. Dennoch sei es sinnvoll, sich zu beschränken. „Wir eröffnen keinen Weihnachtsmarkt vor dem Totensonntag am 21. November.“

Die nordelbische Kirche weiß das zu schätzen: „Wir sind froh, dass in Hamburg anders als in manchen anderen Städten der Totensonntag abgewartet wird“, sagt Michael Stahl vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit der Nordelbischen Kirche in Hamburg. Die Woche mit dem Buß- und Bettag und dem Totensonntag solle dem Gedenken und der Erinnerung gewidmet bleiben.

Stahl beobachtet auch einen Trend, Advent und Weihnachten gleichzusetzen. Schon im Advent wünschten Verkäufer ihren Kunden „frohe Weihnachten“, und aus Lautsprechern tönten Weihnachtslieder statt Adventsmusik. „So geht das Bewußtsein für diese Zeit der Erwartung in der Gesellschaft verloren“, befürchtet Stahl.

Als Zeichen gegen die Vermarktung der Vorweihnachtszeit gibt der ökumenische Verein Andere Zeiten einen Adventskalender mit Geschichten, Gedichten und Bildern heraus. „Die Nachfrage steigt stetig“, sagt Vereinsleiter Pastor Hinrich Westphal. „Immer mehr Menschen sehnen sich danach, die Advents- und Weihnachtszeit stiller, meditativer und ursprünglicher zu gestalten“, erläutert er. Den oberflächlichen Trubel hätten viele satt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%