"Für die meisten hier ist Friedrich Schiller ein Urner“
Kantonist Schiller

Die Weimarer Tell-Aufführung auf dem Rütli verbindet Schweizer und Deutsche. Der "Tell"-Autor Friedrich Schiller schaffte es selbst nie zum Rütli.

Das Wetter ist dramatisch – ganz so, wie es sich Friedrich Schiller gewünscht hätte: Tiefe Wolken stauen sich vor den schroffen Berggipfeln. Unruhig kabbeln die Wasser des Vierwaldstätter Sees. Plötzlich durchschneidet ein Sonnenstrahl den grauen Himmel und bescheint die Pilgerstätte der Eidgenossen. Dann liegt die Rütli-Kulisse in einer Art heiligem Glanz da, ganz so, wie sie der deutsche Dichterfürst in seinem Bestseller „Wilhelm Tell“ beschrieben hat: „Eine Wiese von hohen Felsen und Wald umgeben.“

Schiller hat es nie bis hierher geschafft. Er hat diese Landschaft anhand von Karten und Stichen in seinem Weimarer Arbeitszimmer nachkomponiert und ihr zu Weltruhm verholfen. Die Uraufführung seines „Tells“ vor genau 200 Jahren begründete eine beispiellose Reisewelle. Lord Byron, Alexandre Dumas, Richard Wagner, Charles Dickens: Sie alle haben ihre Wallfahrt zum Rütli gemacht.

In diesen Tagen begab sich das Nationaltheater Weimar auf die Reise, um zusammenzubringen, was zusammengehört. Es transportiert den Weimarer Klassiker dorthin, wo er sich angeblich ereignet hat, und rührt damit an ein Tabu: Bislang wurde dieser Symbolort immer nur für die Andacht vor dem Mythos des Armbrustschützen benutzt, der aufstand, um sein Volk von der Fremdherrschaft zu befreien.

1859, zum hundertsten Geburtstag des Deutschen, der den Schweizern ihr Nationalepos schuf, hatte eine rührige Kommission 95 000 Franken gesammelt und dem Besitzer kurzerhand die Wiese abgekauft, der dort sonst womöglich ein Hotel errichtet hätte. Sie schenkte sie der Eidgenossenschaft als „unveräußerliches Nationaleigentum“. Seither hat die Rütli-Kommission streng darüber gewacht, dass die Wiese bleibt, wie sie ist.

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