Für die Rechte der Homosexuellen
Christopher Street Day: Berlin treibt's bunt

Viel nackte Haut, Lack und Leder, Kostümierte überall: Hunderttausende Schwule, Lesben und Transsexuelle feiern die Christopher-Street-Day-Parade auf den Straßen von Berlin. Der Umzug verlief friedlich, allerdings kam es bei einer Gedenkfeier für verfolgte Homosexuelle zu einem Unfall.

HB BERLIN. Halbnackt, mit zerrissenen T-Shirts, in Lack und Leder oder anderen Kostümen sind am Samstag hunderttausende Schwule, Lesben und Transsexuelle durch Berlin gezogen. Die 31. Parade zum Christopher Street Day (CSD) zog mit 55 Wagen vom Kurfürstendamm zur Abschlusskundgebung bei der Siegessäule. Unter dem Motto "Stück für Stück ins Homoglück - Alle Rechte für Alle" demonstrierten die Teilnehmer tanzend und feiernd für einen grundgesetzlich verbrieften Schutz Homosexueller vor Diskriminierung. Die Veranstalter sprachen von rund 550 000 Teilnehmern und Zuschauern, etwa 50 000 mehr als im Vorjahr. Nach Polizeiangaben verlief der Umzug friedlich.

Vor dem Umzug musste eine Gedenkfeier am neuen Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin wegen eines Unfalls vorzeitig beendet werden. Der 96 Jahre alte frühere KZ- Häftling Rudolf Brazda war am Rednerpult gestürzt und erlitt Kopfverletzungen und Schürfwunden. Nach Polizeiangaben war das Rednerpult weggerutscht, auf das sich Brazda stützen wollte. Brazda war wegen seiner Homosexualität von 1941 bis 1945 im Konzentrationslager Buchenwald eingesperrt.

Mehrere Politiker sowie Lesben- und Schwulenverbände erinnerten während der Gedenkfeier an die Verfolgung Homosexueller. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach sich für eine Rehabilitierung derjenigen aus, die bis 1969 nach dem alten Schwulen- Paragrafen strafrechtlich verfolgt wurden. Er forderte eine Entschädigung und eine Rentenregelung. Darüber hinaus mahnte er, die Erinnerung aufrecht zu erhalten: "Das was geschehen ist, können und wollen wir nicht vergessen. Wir müssen täglich dafür kämpfen, dass Menschen nicht diskriminiert und ausgegrenzt werden."

Die Demonstrationen zum Christopher Street Day (CSD) gehen auf Vorfälle im Juni 1969 in New York zurück. Nach einer Razzia und Übergriffen der Polizei in der Szenebar "Stonewall Inn" kam es damals zum Aufstand von Schwulen und Lesben. Hauptschauplatz der Straßenschlachten war die Christopher Street im Künstler-Viertel Greenwich Village. Diese Straße wurde zum Symbol der "Gay Pride"- Bewegung. Seit gut 25 Jahren wird auch in Deutschland mit Umzügen und Straßenfesten unter der Regenbogenflagge an die Ereignisse in New York erinnert.

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