"Für mich ist hier gerade mal Halbzeit"
Immer der Entertainer

Für Arnold Schwarzenegger ist erst Halbzeit bei den „Terminator“-Filmen. Mit dem Weekend Journal sprach er über seine Stunts, Nacktszenen am Set und Pläne in der Politik.

Um es gleich vorwegzunehmen: Auch der dritte wird nicht der letzte „Terminator“ sein. Zwar ist „Terminator“-Erfinder und Regie-Genie James Cameron inzwischen von Bord und der „Terminator“ selbst, Arnold Schwarzenegger, inzwischen reife 56.

Aber Arnie denkt ja gar nicht ans Aufhören. „Ich bin fit und voller Energie. Ich bin in Top-Form und kann noch viele Jahre weitermachen. Für mich ist hier gerade mal Halbzeit“, so Schwarzenegger. Und wirklich: Arnie wirkt frisch und konzentriert, und sein dunkler Maßanzug umschmeichelt einen unübersehbar durchtrainierten Körper – dieselben 100 Kilo Muskeln, die er bei „Terminator 1“ spielen ließ, wie der Star stolz betont. Die Herzoperation von 1997 und die kürzlich kursierenden Bilder eines hüftringtragenden Arnie: vergessen!

Auch dass er sich bei den Dreharbeiten eine schwere Schulterverletzung zuzog, kann seinen Elan kaum bremsen. „Die Leute wollen schließlich mein Gesicht in der Action sehen, also muss ich einige Stunts schon selbst machen.“ Doch als er an einem Kran mit 30 Stundenkilometern durch eine Pappkulisse geschleudert wurde, krachte er in einen Holzträger, den die Bühnentechniker in der Konstruktion vergessen hatten. „Wer körperlich aktiv ist, nimmt eben ein gewisses Risiko auf sich“, so der Schauspieler lapidar. „Schauen Sie sich Fußballspieler oder Basketballspieler an, auch die verletzen sich.“

Doch trotz solcher Schrammen scheint der gebürtige Steirer, dessen Karriere in den Siebzigern in Bodybuilder-Wettbewerben begann und über drittklassige Fantasy-Filme wie „Conan, der Barbar“ oder „Red Sonja“ in die Oberliga der US-Filmstars führte, am Zenit seiner Laufbahn erst angekommen zu sein. „Man hat mich mal nach dem Geheimnis des Erfolgs gefragt, und da habe ich gesagt: Das Geheimnis ist, du brauchst nur nach Amerika auswandern, brauchst nur hart arbeiten und Disziplin haben. Dann heiratst’n Kennedy, und dann wirst du erfolgreich. Aber“, fügt er in feinstem Steirisch an, „dös war eigentlich a Witz.“

Freilich ist er selbst wirklich emigriert, hat hart gearbeitet und schließlich Maria Shriver geehelicht, die Nichte von John F. Kennedy. Mithin ist Schwarzenegger inzwischen Mitglied einer der politisch einflussreichsten Familien der USA. Nicht zufällig hat er sich inzwischen als Gouverneur in Kalifornien ins Gespräch gebracht. „Wenn der Staat mich braucht, stehe ich zur Verfügung“, sagte er im Juni dem US-Magazin „Esquire“.

Letzte Woche fügte er hinzu: „Das Ganze hängt von den Entwicklungen in Kalifornien und dem Referendum gegen Gouverneur Gray Davis ab.“ Davis blickt einem möglichen Amtsenthebungsverfahren entgegen, das eine Neuwahl schon im Herbst nötig machen könnte. „Genaueres werden Sie im Laufe des kommenden Monats wissen.“

Nun ist Schwarzenegger zwar ein Mann mit einigem Humor und auch abseits der Leinwand ein recht begabter Entertainer, der seine Zuhörer zu unterhalten weiß. Doch trotz seiner Erfahrung in „Conan“ und den ersten beiden „Terminator“-Filmen, so gesteht Schwarzenegger, seien ihm Nacktszenen vor der Kamera noch immer ziemlich peinlich – „zumal jeder am Set an diesem Tag noch einen Verwandten mitbringt, der unbedingt beim Tragen helfen muss. Und plötzlich sieht man überall Fremde, die behaupten, als Aushilfe gekommen zu sein, und zufällig haben sie alle einen Fotoapparat dabei . . .“

Das viele Geld, das er mit seinen Filmen verdiene, scherzt er, könne er gar nicht ausgeben – „daheim an der Tür wartet nämlich schon meine Frau und nimmt es mir ab, um es möglichst klug einzusetzen.“ Auch die Tatsache, dass er in „T3“ auf in der Filmgeschichte einmalige Weise eine Frau verdreschen darf – „Terminatrix“ Kristanna Loken wird von Arnie unter anderem kopfüber in eine Toilettenschüssel gerammt – kommentiert er scherzhaft: „Zu Beginn wusste ich nicht genau, wo ich zugreifen sollte“, kichert er, „und Kristanna musste mich anfeuern, sie genauso grob zu behandeln, wie ich mit einem Kerl umgehen würde. Aber am Ende hat es mir großen Spaß gemacht, sie gegen die Wand zu schmettern – es war ganz wie zu Hause.“

Aber ob er allein mit steirischer Jovialität einem politischen Amt gewachsen ist, darf bezweifelt werden. Auf die Frage, ob er angesichts seines neuen Films, in dem ein verselbstständigtes Waffensystem die Menschheit zu vernichten droht, ein Kritiker von Waffenprogrammen wie Reagans „Star Wars“ sei, sagt der Republikaner mit Nachdruck: „Nein, ganz im Gegenteil. Ich finde sogar, dass dies eines der besten Programme ist, die je entwickelt wurden. Es hat die Russen zu Tode erschreckt; sie haben kapituliert, und heute gibt es kein Russland mehr.“ Auch wenn man zur Hochzeit des Kalten Krieges eine atemberaubende Unterhaltungskarriere im fernen Amerika hingelegt hat, sollte man doch den Unterschied zwischen Russland und der Sowjetunion kennen.

Und so erleichtert es ein wenig, dass Schwarzenegger am Ende noch anfügt, er würde gern wieder eine richtige Komödie drehen. Und überhaupt noch viele Filme machen. Möge er eine rauschende weitere Filmkarriere haben.

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