Galerie Beck & Eggeling
Konzipieren, Konstruieren, Explodieren

"Konstruktiv" in der Düsseldorfer Galerie Beck & Eggeling zählt zu den besten Galerieausstellungen des Jahres 2010. Ihr Thema ist die abstrakte, nicht narrative Kunst in allen Spielarten. Frisch, klug und brillant präsentiert sie den Dialog von alt und neu, von Farbe und Schwarz-Weiß, von bildender Kunst und Design.
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DÜSSELDORF. Sie kommt ganz bescheiden daher und ist doch eine Wucht. Unter den sachlichen Titel "Konstruktiv" dreht sich die aktuelle Ausstellung der Galerie Beck & Eggeling diesseits und jenseits der Bilker Straße um nichts weiter als die Grundlagen der Kunst: um Farbe und Form, Proportion und Material. Das tut sie erstmalig in allen drei Galerieräumen gleichzeitig und mit Blick auf Gegenwart und Geschichte. Von den Vätern der gegenstandlosen Malerei in "Konstruktivismus" und "Suprematismus", El Lissitzky und Moholy Nagy, spannt sich der Bogen über Victor Vasarely und George Rickey bis zu einer Fülle von Zeitgenossen. Alle arbeiten höchst verschieden und sind doch in einem Punkt geeint: der Verweigerung einer literarischen Bilderzählung.

Auch Kenner entdecken Neues

"Konstruktiv" zählt zu den besten Galerieausstellungen des Jahres 2010: Frisch, klug und brillant präsentiert im Dialog von alt und neu, von Farbe und Schwarz-Weiß, von bildender und angewandter Kunst. Es ist so vergnüglich wie lehrreich zu sehen, wer zurzeit ungegenständlich arbeitet oder was aus welchen Materialien herauszuholen ist. Da ist dem neuen Direktor von Beck & Eggeling New Quarters, Gérard Goodrow, ein echter Coup gelungen. Auch der Kenner kann hier Entdeckungen machen, auch der Einsteiger mit kleinem Budget kann hier kaufen. Wer allerdings eines der berühmten "Hommage to the Square" von Josef Albers kaufen will, sollte über mindestens 300.000 Euro verfügen.

Schönheit ist Perfektion

Lars Breuer strukturiert zwei schmale Galeriewände sehr schön mit einer aufwendig geschichteten Streifenmalerei, die entfernt an Holz erinnert. Sie stimmt den Besucher ein auf den genauen, tastenden Blick, auf die Schönheit von Perfektion und minimaler Farbe. Sie passt exakt zum dreiteiligen Tableau von Alfons Hüppi. Der lässt kühn einen Teil seines Schwarz-Weißgemäldes schräg in den Raum kragen. Doch das bildgebende schwarze Rechteck bleibt trotz Verzerrung formvollendet (40.000 Euro). Wenn doch das Ausscheren aus der Reihe immer so ästhetisch wäre. Auch Heinz Macks durch Streifen rhythmisiertes Ei - ein Gemälde von 1966, das 250 000 Eurokosten soll - nimmt den Dialog auf mit Breuers Installation und seinen Lackarbeiten (bis 6.300 Euro).

Anwesend trotz Abwesenheit

Für den Suprematismus, die von Gegenstandsbezügen befreite Kunst, ist das schwarze Quadrat von zentraler Bedeutung. Kasimir Malewitsch hat es schon vor 1915 in die Kunst eingeführt. Bei Beck & Eggeling ist die unausleihbare Inkunabel doppelt präsent: durch Dag Erik Elgins Imitation des betreffenden Museumsschildchens (2.600 Euro) und durch Heribert Ottersbachs Gemälde mit dem rätselvollen Untertitel "Malewitsch erklärt Mondrian das Wesen der Ikone" (18.000 Euro).

Schön explodieren

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