Galerienstart Köln: Neue überraschende Konzepte der Galerien

Galerienstart Köln
Neue überraschende Konzepte der Galerien

Viele Kunstvermittler denken zum Saison-Start über alternative Ausstellungen nach. 42 von ihnen beteiligen sich am langen Galerie-Wochenende.
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KÖLN. „Ich bin ratlos. Ich weiß auch nicht mehr weiter.“ Einen Moment lang verlässt die 41-jährige Galeristin Linn Lühn die Zuversicht. Neun Jahre Galeriearbeit in Köln liegen hinter ihr, davon zunächst fünf als Geschäftspartnerin von Rafael Jablonka, anschließend vier Jahre in eigenen Räumen. Jetzt noch zwei Ausstellungen, dann macht sie Schluss in der Domstadt.

Doch nicht nach Berlin zieht es Linn Lühn, ins Mekka der Künstler und Galeristen; sondern ausgerechnet nach Düsseldorf, nur 40 Stromkilometer rheinabwärts. Die eifersüchtig beäugte Landeshauptstadt hat einiges zu bieten, was Köln nicht hat: eine lebendige Künstlerszene mit der Kunstakademie in ihrer Mitte und hellwache Kulturpolitiker, die bereits seit einigen Jahren am Profil Düsseldorfs als Kunststadt feilen.

Für Köln ist der Abgang von Lühn ein schwerer Schlag. Seit 2009 zelebriert man gemeinsam mit Düsseldorf den Start in die traditionell heiß gehandelte Herbstsaison. Die DC Open, die das Rheinland mit insgesamt 69 Galerie-Eröffnungen positionieren soll, ist auch Lühns Kind: „Vor zwei Jahren dachten wir, Köln hätte die Talsohle durchschritten, aber das war ein Irrtum.“

Lühn ist nicht die Einzige, die es nicht beim Alten belassen will. Daniel Buchholz, der seine geplante Kris-Martin-Schau in den Winter verschieben musste, verzichtet auf eine Alternative und nimmt die Pause zum Anlass, über eine Laufzeitverlängerung seiner Ausstellungen nachzudenken.

Nagel bespielt wechselnde Orte

Christian Nagel, seit Mai in Berlin und Antwerpen präsent, schließt seine Kölner Räume demnächst. In Köln will er singuläre Ausstellungsereignisse an wechselnden Örtlichkeiten inszenieren. Auch Lühn wird in Düsseldorf Neues erproben. Sie hat eine Wohnungsgalerie, zugeschnitten auf die Bedürfnisse von Sammlern und Kunstinteressierten, mit reduzierten Öffnungszeiten und maßgeschneiderten Veranstaltungen ins Auge gefasst.

Am Eröffnungswochenende werfen die 42 teilnehmenden Kölner Galerien deshalb auch noch einmal in den Ring, was in den kunstverliebten letzten Jahrzehnten vielleicht zu selbstverständlich geworden ist: ihre Bedeutung als Mitgestalter eines öffentlichen Kulturangebots.

Linn Lühn fährt die kühnen Raumskulpturen auf, die Florian Baudrexel, Jahrgang 1968, aus Pappe, Gips und Alltagsmaterialien zusammenzimmert. Nicht nur Sammler mit viel Platz dürften ihre Freude an Baudrexels Schöpfungen haben. Kleiner dimensionierte Sockelskulpturen wie „Formal“ können 10 500 Euro kosten. Die untere Preisgrenze markieren die 1 700 Euro für seine parallel entstehenden Collagen. Mit seiner jüngsten Arbeit betreibt er Rückschau in eigener Sache. Zahlreiche Modelle von Skulpturen aus den letzten sieben Jahren hat Baudrexel in ein wandgroßes Relief eingebaut, für das Lühn 17 000 Euro ansetzt (bis 16.10.).

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