Galerist Michael Werner
Kein Rückzug aus Deutschland

Michael Werner (76) hat schon Galeriestandorte in New York, London und Märkisch Wilmersdorf bei Berlin. Seit Sommer 2015 gibt es auch eine Dependance in Basel. Zurzeit werden die neuen Räume mit einer kleinen Jörg Immendorff –Retrospektive bespielt. Durch eine Kooperation mit der Galerie Knoell setzt das Programm auch Akzente mit Kunstgewerbe und Klassischer Moderne.

BerlinMichael Werner, der im vergangenen Sommer eine Dependance in Basel gründete, zeigt noch bis 5. Februar 2016 eine Ausstellung Arbeiten aus allen Schaffensperioden von Jörg Immendorff. Die als „kleine Retrospektive“ angelegte Schau reicht von frühen Objekten, die im Umfeld der neodadaistischen Lidl-Aktionen Ende der 1960er Jahre entstanden, bis zu den letzten Bildern, die der durch eine Nervenerkrankung gelähmte Künstler vor seinem Tod 2007 mit Hilfe von Assistenten malte.

Die Immendorff-Schau ist nach der Gruppenausstellung „Peinture/Sculpture“ und einer Ausstellung mit Werken von A. R. Penck die dritte Ausstellung der Galerie Neue & Alte Kunst. Sie residiert im historischen Erasmushaus in der Baseler Altstadt in unmittelbarer Nähe zum Kunstmuseum. Mit der Galerie hat der aus Berlin stammende, 76 Jahre alte Galerist erstmals einen Standort in der Schweiz eröffnet, neben seinen Galerien in Märkisch Wilmersdorf bei Berlin, Köln, New York und London. Die Stadt mit ihren drei Kunstmuseen für Moderne habe ihn zur Wahl dieses Standorts bewogen, teilt Werner mit.

Kooperation mit der Galerie Knoell

Mit der benachbarten, ebenfalls im Erasmushaus untergebrachten Galerie Knoell wird Michael Werner bei einigen Ausstellungsprojekten kooperieren. Dies geschah bereits anlässlich der Eröffnungsausstellung „Peinture/Sculpture“ im vergangenen Juni, in der unter anderem Werke von Braque, Cézanne, Matisse und Picasso zu sehen waren.

Durch die Zusammenarbeit mit der Galerie Knoell würden die Ausstellungen „ein wenig historischer“, meint Werner. Außerdem plane er auch Ausstellungen zu kunstgewerblichen Themen.

Gedanken zu einem konkurrenzfähigen Kunsthandel

Wenn deutsche Galeristen heute eine Dependance im benachbarten Ausland eröffnen, liegt die Vermutung nahe, dies als Reaktion auf die geplante Novellierung des Kulturgutschutzgesetzes anzusehen – zumal der Maler Georg Baselitz, der aus Protest gegen das Gesetzesvorhaben Werke von ihm aus öffentlichen Sammlungen zurückgezogen hatte, seit den 1960er Jahren zu den von Michael Werner vertretenen Künstlern gehört. Werner verneint die Frage, ob er einen Rückzug aus Deutschland plane. Zum Gesetzesvorhaben der Kulturstaatsministerin Monika Grütters äußert er aber eine klare Meinung. „Da das Kulturschutzgesetz dilettantisch ist, wird es konkurrenzfähigen Kunsthandel in Deutschland unmöglich machen“, sagte er dem „Handelsblatt“.

„Jörg Immendorff. Kleine Retrospektive“, bis 5. Februar 2016 in der Galerie Neu & Alte Kunst Basel, Erasmushaus, Bäumleingasse 18, Basel. Di. bis Fr. 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr, Sa 10 bis 16 Uhr. Katalog 18 Schweizer Franken.

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