Garri Kasparow
Strategie fürs Leben

Garri Kasparow ist einer der besten Schachspieler aller Zeiten. In seinem Buch beschreibt er, was man von Schachstrategien für das Leben lernen kann.
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Die Auftritte von Garri Kasparow waren von Anfang an etwas Besonderes. Schon zu Beginn der Achtziger Jahre legte er sich mit den Mächtigen der Sowjetunion an, die verhindern wollten, dass er den damaligen Weltmeister Karpow herausforderte. Kasparow setzte sich durch und es begann einer der spannendsten Duelle aller Zeiten. Der Titelverteidiger ging schnell mit vier Siegen in Führung, nur zwei Erfolge fehlten Karpow zum Titel.

Daraufhin änderte Kasparow seine aggressive Strategie radikal, holte 17 Unentschieden und drei Siege. Der Titelkampf zog sich über fünf Monate und 48 Partien, Karpow wurde zwischenzeitlich erschöpft ins Krankenhaus eingeliefert. Am Ende wurde der Titelkampf unter umstrittenen Umständen abgebrochen. Bei der Neuauflage im Jahr 1985 siegte dann Kasparow, mit 22 Jahren war er der jüngste Schachweltmeister aller Zeiten.

Vor zwei Jahren zog sich Kasparow dann vom Profischach zurück, engagierte sich in der russischen Opposition und hielt viele Vorträge über Strategie und Entscheidungsfindung. Diese hat Kasparow nun in dem Buch "Strategie und die Kunst zu Leben" zusammengefasst.

"Ich glaube nicht an allgemeingültige Empfehlungen", sagte Kasparow auf der Leipziger Buchmesse. "Jeder muss seine eigene Erfolgsformel finden." Dieser Ansatz zieht sich auch durch das Buch. Die richtige Strategie und Taktik hängen immer von den jeweiligen Situationen und Personen ab.

Was sich wie ein Allgemeinplatz anhört, belegt Kasparow mit zahlreichen Beispielen aus Politik, Geschichte, Wirtschaft und Sport. "Jede Strategie ist wirkungsvoll, wenn sie einer anwendet, der sich darauf versteht", lautet eine Kernthese von Kasparow. So hätten Brasilianer und Italiener grundverschiedene Fußballphilosophien, doch ob offensiv oder defensiv, beide Spielweisen führten immer wieder zum Erfolg.

Es sei vor allem wichtig, seine eigene Strategie zu verfolgen und - was auch nicht immer der Fall ist - sich über seine Ziele und den Weg dorthin überhaupt klar zu werden. Natürlich spielt auch der Gegner eine Rolle. So war es gerade ein Strategiewechsel gegen Karpow, der ihm den ersten Weltmeistertitel einbrachte. Aber man dürfe nicht zuviel Energie auf sein Gegenüber verwenden. "Häufig ist jemand so darauf versessen, den Gegner vom Kurs abzubringen, dass er seine eigene Position auf verhängnisvolle Weise schwächt".

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