Geburtsstadt des Schriftstellers
Polen war stolz auf Grass

Trauer um Günter Grass auch im polnischen Gdansk, seiner Geburtsstadt Danzig. Für viele Polen war der Schriftsteller eine Brücke in die Vergangenheit. Seine Rolle bei der deutsch-polnischen Aussöhnung bleibt unvergessen.
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DanzigFür den Danziger Bürgermeister Pawel Adamowicz war Günter Grass „einer von uns. Er war unser Landsmann“. Der Tod des deutschen Literaturnobelpreisträgers Günter Grass war am Montag das beherrschende Thema auch in polnischen Medien. Die großen Nachrichtenportale titelten mit Grass-Porträts, umgeben von einem Trauerrand - ganz so, als sei einer der Großen des polnischen Kulturlebens gestorben.

Wenige Stunden nach der Todesnachricht wurde in der nach Günter Grass benannten Städtischen Galerie ein Kondolenzbuch ausgelegt. Adamowicz war der erste, der sich eintrug. „Das ist das Ende einer Epoche“, schrieb er.

Der gebürtige Danziger Grass repräsentierte für mehrere Generationen polnischer Leser das „bessere“ Deutschland. „Er hat mehr für die Verbesserung der deutsch-polnischen Beziehungen getan als ganze Horden von Politikern“, sagte sein polnischer Schriftstellerkollege Pawel Huelle am Montag. Huelle schrieb vor einigen Jahren das Theaterstück „Im Krebsgang“ nach dem Werk von Günter Grass.

Zur Premiere an Bord des früheren polnischen Marineschulschiffs „Dar Pomorska“ kam auch Grass. Das Lebenswerk des Schriftstellers wurde für die Mehrheit der Polen auch nicht überschattet, als vor neun Jahren seine einstige Mitgliedschaft in der Waffen-SS bekanntwurde.

Zwar forderte damals der Friedensnobelpreisträger Lech Walesa Grass zur Rückgabe der Ehrenbürgerschaft von Danzig auf. Doch prompt kritisierte der bekannte Journalist und frühere Bürgerrechtler Adam Michnik, es sei unfair, die Lebensbilanz eines großen Schriftstellers so zu reduzieren. Auch Walesa äußerte sich am Montag versöhnlich. „Er wird Danzig fehlen“, sagte er im Nachrichtensender „TVN 24“.

Die Günter-Grass-Galerie in der Danziger Altstadt war am Montag eigentlich geschlossen, so wie die meisten Museen. „Die Nachricht vom Tod von Grass hat uns sehr überrascht“, sagte Direktorin Iwona Bigos. „Wir haben eigentlich schon überlegt, wie wir seinen nächsten Geburtstag planen.“

Seit mehreren Jahren schon wird Grass in Danzig mit dem Kulturfestival „Grassomania“ geehrt, zahlreiche Grafiken und Skulpturen werden in der Grass-Galerie ausgestellt. Grass war seit 1993 Ehrenbürger seiner Geburtsstadt und regelmäßig Gast. Jetzt soll mit den städtischen Behörden ein „Abschied“ von Grass geplant werden, sagt Bigos.

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