Gefühlslagen in Moll
Pop-Musik klingt immer trauriger

Ist das Abtanzen zu fröhlicher Popmusik heute nicht mehr so einfach? Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Hits in den US-Charts weitaus trauriger klingen als noch in den 60er Jahren. Emotionen haben heute eine andere Bedeutung.
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BerlinShe loves you, yeah, yeah, yeah! Was bei den Beatles 1963 noch berauschend simpel und fröhlich klang, müsste sich heute als Welterfolg vielleicht anders anhören. Wissenschaftler der Freien Universität Berlin (FU) haben in einer Studie analysiert, dass die erfolgreichsten Pop-Hits in den vergangenen 50 Jahren immer trauriger und vielschichtiger geworden sind - zumindest, wenn es um Tonart und Tempo geht. Dafür haben sie rund 1000 Popsongs aus den US-Charts der Jahre 1965 bis 2009 genau unter die Lupe genommen.

Ein Ergebnis: Die Anzahl der Hits in melancholischem Moll hat sich bis heute verdoppelt. Dafür deckten Rihanna oder James Blunt in ihren Songs ein breiteres Gefühlsspektrum ab als frühere Interpreten, sagt FU-Soziologe Christian von Scheve. „Dass die Lieder immer trauriger wirken, heißt aber nicht, dass wir nun alle mit hängenden Köpfen herumlaufen“, ergänzt er. Selbst Krisenzeiten wie der Vietnamkrieg oder der 11. September hätten in den US-Charts keine belegbare Phase von reinen Heul-Songs hervorgerufen, wohl aber längere und langsamere Lieder.

Popmusik kann in die Beine gehen wie ABBAs „Waterloo“ - ein rasantes Stück in D-Dur, mit dem sich die Schweden beim Eurovision Song Contest 1974 auf die internationale Bühne spielten. Für die Autoren der Studie ist das simple Musikpsychologie. Grundtonarten in Dur und ein hohes Tempo machen schnell happy. Langsame Moll-Stücke wirken ernster und trauriger. Solche Unterschiede lösen Reize aus: Popmusik kann Stimmungen erzeugen, von Freude bis Frust.

Die Idee zu ihrer Popmusik-Untersuchung kam dem deutsch-kanadischen Forscherteam beim Kaffeetrinken. Schellenberg ist nicht nur Professor in Toronto, sondern auch Musiker und Komponist. Vom Gefühl her erschien ihm moderne Popmusik trauriger als früher. Diese Einschätzung reizte den Berliner Soziologieprofessor von Scheve, der am FU-Forschungsbereich „Languages of Emotion“ (Sprachen der Gefühle) arbeitet. Gemeinsam fragten sie sich: Steckt eine Systematik dahinter?

Die genaue Untersuchung der einzelnen Titel war harte Handarbeit. Studenten haben Lieder bis in ihre Einzelakkorde zerlegt und das Tempo in Beats per Minute (BPM/Schlägen pro Minute) nachgemessen. Dann ordneten sie die Songs nach Grundtonarten ein: Dur oder Moll? Wie lang? Ergebnisse lassen sich nun in Zahlen fassen. In den 1960er Jahren seien 85 Prozent der Titel in einer Dur-Tonart geschrieben gewesen, berichtet von Scheve. Heute sind es nur noch 42 Prozent.

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  • Ja das ist leider wahr.Wie auch der erste hier schrieb konnte man früher noch Freude und Kraft aus Liedern schöpfen.Für mich fing es allerdings erst ab 2001 um den 11 September herum an.Das wurde dann bis heute immer schlimmer.

  • @10:05: wäre die musik fröhlich, würden sie sagen, dass es extra so gemacht ist, damit der mensch sich ablenken lässt und sich alles "vom System" aufzwängen lässt.
    das schwarz-weiss-malen in ihrem beitrag finde ich zum vom-balkon-springen. es gibt nicht nur silbermond, schauen sie einfach mal, was alles an interessanter musik in der welt unterwegs ist - sie werden sie nicht im mainstream-radio finden. doch ich glaube gar nicht, dass es ihr ziel ist, am heute etwas gutes zu finden, richtig?

    @10:44
    habe mir "she loves you" mal angehört. Tonart ist g-Dur, wenn ich meinem gehör trauen kann. die verwendung von moll-akkorden ist tatsächlich zahlreich, das tut aber nichts zur sache, da der gesamteindruck "fröhlich" ensteht, was an der grundtonart des liedes liegt. somit ist ihre interpretation falsch, eine höhere anzahl von mollakkorden würde automatisch zu einem traurigen höreindruck führen.

  • "she loves you" von den beatles hantiert überwiegend mit mollakkorden! ein unfassbar schlechtes beispiel für eine ohnehin sinnlose einteilung.

    desweiteren lernt man in der 5. klasse dass dur und moll tongeschlechter sind und keine tonarten!

    vielleicht ist die studie "unterkomplex", wahrscheinlicher ist es dass die pressemitteilung erbärmlich ist und die deutsche presselandschaft geprägt ist von inkompetenten redakteuren die diese pressemitteilung nicht in frage stellen und gegebenenfalls korrigieren!

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