Geld alleine macht nicht glücklich
Die Geschichte von der Glückssuche

Statistiker sagen, mein vieles Geld würde mich auch nicht glücklicher machen. Aber weißt du, was so ein Statistiker verdient?" Es ist diese Karikatur zweier klischeebeladener Golfspieler mit Karohosen und Geltungssucht, die dem Leser noch vor dem ersten Kapitel ins Auge springt.

Vom Autor wohl bedacht, so scheint es. Richard Layard, Direktor des Center for Economic Performance an der London School of Economics, hat ein Buch über "Die glückliche Gesellschaft" geschrieben. Darin bündelt er seine Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Wohlstand und persönlicher Zufriedenheit mit dem Ergebnis: Obwohl die Menschen im Westen seit Jahren immer reicher werden, sind sie keineswegs glücklicher.

Und doch entscheidet unser Einkommen maßgeblich darüber, ob wir glücklich sind. Layard nennt sieben Glücksfaktoren: Einkommen, Familie, Arbeit, soziale Umwelt, Gesundheit, Freiheit und Werte. Menschen verglichen sich zunehmend mit anderen - und machten ihre Zufriedenheit davon abhängig, schreibt Layard. Die Steigerung des Wohlstandes allein, folgert der Autor, reiche zum Glücklichsein nicht aus.

Die Ursachen für Glück lassen sich wissenschaftlich erkunden. Psychologen, Soziologen und Hirnforscher haben dieses Forschungsfeld schon lange entdeckt. Nun also auch Wirtschaftswissenschaftler.

Allen voran Layard. Der 71-Jährige, der sich seinen akademischen Ruf insbesondere als Arbeitsmarktökonom erworben hat, verschrieb sich dem Forschungsschwerpunkt erst in der jüngsten Zeit. Er fordert mit der Feder eines Gutmenschen auf mehr als 300 Seiten einen "Kurswechsel für Politik und Wirtschaft". Wirtschaftswissenschaftler, meint der Neo-Keynesianer, hätten die Angewohnheit, das Glück einer Gesellschaft mit ihrer Kaufkraft gleichzusetzen. "Diese Ansicht habe ich nie teilen können, und die Geschichte der vergangenen 50 Jahre hat sie gründlich widerlegt."

Es folgt ein Klagelied über "die traurige Geschichte des Bruttosozialprodukts". Das Wirtschaftswachstum, meint Layard, sei nicht der richtige Maßstab für den Wohlstand eines Landes. "Wir benötigen eine Wirtschaftstheorie, die die Erkenntnisse der neuen Psychologie einbezieht", fordert der Ökonom.

Ein eindeutiges wirtschaftspoli-tisches Rezept vermag aber Layard nicht zu geben. Schuld daran ist ein altes Dilemma: Einerseits gewinnen Arme mit einem zusätzlichen Euro mehr als Reiche, was für eine Umverteilung spricht. Andererseits sinken so die Leistungsanreize für beide Gruppen, was die Leistung der gesamten Volkswirtschaft und somit den Kuchen für alle schmälert. Und weniger Kuchen bedeutet weniger Glück.

RICHARD LAYARD: Die glückliche Gesellschaft Campus Verlag, Frankfurt 2005, 324 Seiten, 19,90 Euro

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