Gemalte Bewegung: Frauen und ihre Liebe zur Technik

Gemalte Bewegung
Frauen und ihre Liebe zur Technik

Avantgarde-Malerinnen strafen das Vorurteil Lügen: sie malen mit Leidenschaft Radfahrer, Automobilisten und Maschinen. Eine Schau in Wien erinnert an die „Kinetistinnen“. Nie wurde Bewegung so schön ins Bild gesetzt.
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Wien Tiere malen, Landschaften oder gar Stilleben? Nein! Die Kunsterneuerer malen ab 1910 die Geschwindigkeit auf Straßen und Schienen, Tempo und Dynamik der Produktion, die Struktur von Stahlbau und Hochhausfassaden, die Faszination von Elektrizität und Leuchtwerbung. Sie schwärmen für die Ästhetik von Automobil- und Suchscheinwerfern, für Turbinen, Motorräder, Lokomotiven und U-Bahnen.

Landschaften sind nur mehr ein schnell vorbeiziehender Hintergrund. „DYNAMIK! Kubismus/ Futurismus/ Kinetismus“ heißt eine inspirierte Ausstellung zur Klassischen Moderne in Wien. Mit den Begriffen Kinetik und Kinetismus beschreiben Fachleute Kunstwerke, in deren Zentrum die Bewegung steht – sei sie nur simuliert oder realiter vollzogen.

Die Großstadt als Thema

In der ehemaligen Habsburgermetropole ändert sich unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkrieges 1918 der Begriff radikal, was Kunst sei und welcher Ästhetik sie zu folgen habe. Diese Entwicklung musste jedoch in den Dimensionen eines Kleinstaates vor sich gehen, weshalb Einfluss wie am Bauhaus in Weimar, Dessau und Berlin ausgeschlossen war. Die Bildsprachen des Expressionismus, des Kubismus, des italienischen und russischen Futurismus lieferten die Anregungen für den Neubeginn.

Diese Kunstformen hatten vor dem Ersten Weltkrieg in Wien keinen Resonanzraum gefunden. Frisch und unverbraucht sind die Themen wie die Ausführenden: Denn es waren vor allem Künstlerinnen, die sich mit Nachdruck die Motive der Großstadt und der modernen Technik als Sujet erkoren. Die bekanntesten dieser Pionierinnen sind Erika Giovanna Klien, Marianne (My) Ullmann und Elisabeth Karlinsky.

Bewegung im Bild

Den institutionellen Kern dieser Gruppe bildete der 1865 im böhmischen Leitmeritz geborene Franz Cizek. Cizek hatte bei Franz Rumpler und Joseph Matthias von Trenkwald an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert. 1904 übernahm er die Leitung einer experimentellen Kunstklasse an der Kunstgewerbeschule des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, der heutigen Universität für angewandte Kunst. Cizek orientierte sich an der schöpferischen Kraft der Kinderzeichnung.

Er propagierte ein neues Verständnis von Natur. Bei seinen Naturstudien verfolgte Cizek das Konzept seines Kollegen, des Bühnenbildners Alfred Roller. Nicht mehr die detailgetreue Wiedergabe der Natur, sondern das Erfassen von Charakteristika und von Bewegungen stand im Zentrum. Der derzeitige Rektor der Universität für angewandte Kunst, Oswald Oberhuber, schreibt im Ausstellungs-Begleitbuch sogar, im Falle der Cizek-Klasse könne man von der „einzig existenten Schule des Futurismus sprechen.“

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