Generaldirektor Bernhard Maaz: Kühne Pläne für die Münchener Pinakotheken

Generaldirektor Bernhard Maaz
Kühne Pläne für die Münchener Pinakotheken

Dienstbeginn für Bernhard Maaz, den neuen Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlung. Auf dem Plan stehen umfangreiche Baumaßnahmen in der Alten und Neuen Pinakothek. Im gleichen Zug will Maaz die Münchener Sammlungen umstrukturieren. Um Gegenwartskunst erwerben zu können, bringt der Museumschef ein neues Modell für den Umgang mit privaten Leihgebern ins Spiel.
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MünchenMit Kunstwerken von Weltrang ist Bernhard Maaz vertraut. Bis vor kurzem noch war er in Dresden Direktor der Gemäldesammlung Alter Meister und des Kupferstichkabinetts. Mit Beginn dieses Monats April 2015 hat er nun sein Amt als Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlung angetreten.

Maaz, Jahrgang 1961, ist nun oberster Chef der drei renommierten Münchener Pinakotheken, des Museum Brandhorst sowie der mehr als zehn Außenstellen im ganzen Freistaat Bayern. Maaz eilt der Ruf voraus, ein professioneller Dirigent in Sachen Museumssanierung zu sein und zugleich althergebrachte Wahrnehmungs-Strukturen aufzubrechen. In der Alten Nationalgalerie in Berlin hatte er nach dem Umbau die Skulptur des 19. Jahrhundert neu aufgestellt. In Dresden hob er die Hängung nach nationalen Schulen auf. Der Blick ist nun paneuropäisch ausgerichtet, beispielsweise auf frühe Andachtsgemälde, auf die Caravaggisten oder die Stilllebenmalerei.

Blauer Reiter in die Neue Pinakothek

Nach der in Etappen bis 2018 geplanten Sanierung der Alten und der Neuen Pinakothek, die ab 2017 deshalb für einige Zeit geschlossen bleibt, schwebt Maaz auch für München ein kunsthistorisches Stühle-Rücken vor. Die permanent wachsenden Bestände der Gegenwartkunst geben nur den äußeren Anstoß. Maaz’ eigene Sichtweise auf die Epochen ist da wohl entscheidender. „Die Malerei der Künstlergruppe Blaue Reiter mit Franz Marc und Wassily Kandinsky und auch die Werke der Brücke-Maler wie Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner sind für mich ein hochpoetischer Aufbruch ins 20. Jahrhundert; aber ich sehe darin die Vollendung der romantischen Tendenzen, die sich durch das ganze 19. Jahrhundert zogen“, erklärte der in Jena geborene Kunstwissenschaftler im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Maaz plant, diese Werke in die Neue Pinakothek einzugliedern und die bislang dort gezeigte Kunst des Klassizismus in die Alte Pinakothek zu integrieren. Dann würde der Rundgang in der Neuen Pinakothek mit den Romantikern um Caspar David Friedrich beginnen. Die auch von anderen Kunsthistorikern vertretene These vom langen 19. Jahrhundert würde hier ihren Widerhall finden.

In Tuchfühlung mit der Gegenwartskunst

In Fachkreisen gilt der erfahrene Museumsmann und Ausstellungsmacher vor allem als Kenner der Alten Kunst. 1991 promovierte er zum Werk des klassizistischen Bildhauers Friedrich Tieck. Es folgten zahlreiche Publikationen zur Plastik des 19. Jahrhunderts. Doch Bernhard Maaz ist jetzt auch oberster Dienstherr der Pinakothek der Moderne. Das neue Terrain betritt er nicht ganz ohne Tuchfühlung mit der Gegenwartskunst. Erst kürzlich erschienen von ihm Beiträge über Gerhard Altenbourg und Max Uhlig.

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Kooperationsmodell mit Privatsammlern

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