George Economou
Ein Reeder und seine „Mondfrauen“

Der griechische Sammler George Economou erwirbt, was ihn ästhetisch anzieht. Vor allem deutsche und österreichische Kunst der Zwischenkriegszeit. Die Branche staunt, wenn er auf Auktionen wieder einmal für Höchstpreise sorgt.
  • 1

MünchenAthen steht derzeit nicht nur im Fokus der Wirtschaftswelt. Auch Kunstliebhaber und Kunsthändler merken auf, seit der griechische Reeder George Economou im Februar zum ersten Mal in der Municipal Gallery Einblicke in seine Sammlung gewährte. Und die ist beeindruckend groß. Rund 2000 Kunstwerke umfasst die Sammlung des 57-jährigen. Nun macht er mit einer großzügigen Leihgabe von sich reden: Er erwarb ein Konvolut von über 500 graphischen Arbeiten von Otto Dix, die er für zunächst zehn Jahre der Graphischen Sammlung in München zur Verfügung stellt.

Seit zehn Jahren sammelt Economou das, was er als „Modern Classics“ bezeichnet. Zuvor galt sein Interesse der griechischen Kunst. Besonders die Epoche von ca. 1910 aufwärts bis zwischen den Weltkriegen steht im Fokus der Sammlung. Aber auch zeitgenössische Kunst, Alte Kunst, Skulpturen und Zeichnungen finden sich in seinem Portfolio.

Ein Blick in den Katalog offenbart Economous Faible für die deutsche und österreichische Kunst. Sein Berater Dimitri Gravanis, ein Experte für Alte Meister und das 19. Jahrhundert, bietet für ihn auf den Auktionen und hält den Kontakt zu Händlern und Auktionshäusern. Er ist immer in Sachen Kunst unterwegs, in ganz Europa - sieben Tage die Woche - wie Economou verrät.

Beim Bieten ist für Aufsehen gesorgt

George Economou und Dimitri Gravanis haben vor allem den deutschen Auktionsmarkt ganz schön ins Rollen gebracht: Economou durch hohe Gebote, die nicht nur in einem Fall für Weltrekorde sorgten, und Dimitri, wie er in der Kunstwelt genannt wird, durch sein Auftreten in den Auktionen. Hier sorgt er durch rasantes Bieten und lauthals verkündete Gebote für Aufsehen. Oft schlendert er dabei durch den Auktionssaal, und verunsichert damit nicht nur die Auktionatoren, sondern zudem die Konkurrenz im Raum. Unvergessen ist auch Dimitris Auftritt in Lederhosen im Auktionshaus Neumeister.

Economou kauft, was ihn anspricht. Sein Geschmack ist breit gefächert. Es finden sich prächtige Altmeistergemälde wie ein Blumenstillleben von Georg Flegel neben Ikonen des Blauen Reiters wie Gabriele Münters „Nach dem Tee II“. Auch Picasso-Zeichnungen und Gemälde von Martin Kippenberger sind dabei.

Spannend sind vor allem die Werke auch weniger bekannter Künstler aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ludwig Bocks Porträt des Picasso-Händlers Daniel-Henry Kahnweiler von 1925 gehört dazu oder auch die lebensgroßen, 1930 gemalten „Mondfrauen“ auf dem gleichnamigen Gemälde von Otto Rudolf Schatz. Ein Paradebeispiel für die Porträtauffassung der Neuen Sachlichkeit ist Carlo Menses „Don Domenico“, der feist aus dem Bild blickt.

Seite 1:

Ein Reeder und seine „Mondfrauen“

Seite 2:

Kommentare zu " George Economou: Ein Reeder und seine „Mondfrauen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Warum unterstützt nicht dieser Reeder sein verarmtes Vaterland, sondern gibt er mit seinem Reichtum in Deutschland an? Der deutsche Steuerzahler ist immer der Dumme!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%