Gerhard Altenbourg
„Landschaften als Gehirnbau“

Gerhard Altenbourg ist weder ein Modekünstler, noch passt er in irgendeine kunsthistorische Schublade. Wer das Werk des Zeichners und Malers sammelt, gehört zu einer eingeschworenen Gemeinde. Für die aktuelle Altenbourg-Ausstellung im Lindenau-Museum haben Privatsammler viele noch unbekannte Arbeiten ausgeliehen.
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AltenburgEinen James Joyce der Landschaftsmalerei hat man Gerhard Altenbourg genannt, auch einen Zitronenfalter im Hauptbahnhof. Um das Gefühl der Weite zu genießen und das der Fremdheit zu sublimieren, brauchte dieser Ausnahmekünstler nicht die große Welt. Landschaft lag vor seiner Haustür und lief in seinem Kopf ab. Vorstellungskraft und Natur – die reale wie die menschliche – gehen in Altenbourgs Werk eine existenzielle Symbiose ein.

1926 wurde er als Gerhard Ströch im thüringischen Dorf Rödichen-Schnepfenthal geboren, am 30. Dezember 1989 starb er an den Folgen eines Autounfalls. Benannt hat er sich nach seinem Wohnort, der an der Grenze von Thüringen und Sachsen gelegenen Kleinstadt Altenburg. Deren sanft hügeliges Umland, grüne Kuppen und von Pappelreihen gesäumte Fernblicke finden sich in Altenbourgs Bildwelt wieder: nicht realistisch gegenständlich, sondern ins Metaphorisch-Spielerische gewendet. Bedrohliches wird gegenwärtig, wenn der Künstler das Seziermesser anlegt, um geologische Schichtungen oder die „Hitze (…) in den Thoraxorganen“ freizulegen. „Landschaften als Gehirnbau“ hat er selbst seine Methode genannt.

Wartende Herkulesarbeiten

„Erzgebirge, Hügel-Grund, Artemis-Land. Altenbourgs Landschaften“ nennt Julia M. Nauhaus, seit Sommer 2012 Direktorin des Lindenau-Museums Altenburg, ihre erste große Altenbourg-Ausstellung. Altenbourg in Altenburg, das ist Verpflichtung und Vermächtnis. Nauhaus’ Vorgängerin Jutta Penndorf, über drei Jahrzehnte Direktorin, hat viel für die Aufarbeitung seines Werkes geleistet. Bedeutende private Altenbourg-Sammlungen, allen voran die von Wilfried und Astrid Rugo aus Düsseldorf, konnten für das Museum erworben werden. Auch das dreibändige Werkverzeichnis von Annegret Janda wurde am Lindenau-Museum herausgegeben.

Im Sommer 2013 starb Anneliese Ströch, Altenbourgs Schwester, die ihm den Haushalt geführt hatte. Zum Nachlass, der in eine dem Museum assoziierte Stiftung eingebracht wurde, gehört neben tausenden Büchern, Dokumenten und Kunstwerken auch das gemeinsame Haus. Aufarbeitung und Erhaltung sind Herkulesaufgaben für Nauhaus, die zudem eine Grundsanierung – möglichst inklusive des dringend nötigen Erweiterungsbaus – ihres strukturell unterfinanzierten Museums anschieben muss.

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