Gerhard Richter Der Steilflug eines Malers aus Köln

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Richter-Werke mit rasanter Wertsteigerung

1967 auf dem ersten Kölner Kunstmarkt war der „Akt auf einer Treppe“ bei dem Kölner Galeristen Rudolf Zwirner für 4800 DM zu haben, und noch 1980 kosteten bei Wolfgang Werner in Bremen charakteristische Bilder 8000 bis 10.000 DM.

Die Preisentwicklung der letzten Jahre ist von Triumphen und Niederlagen geprägt. Tatsächlich gibt es wenige Künstler, die innerhalb von elf Jahren den gewaltigen Preissprung von 5,4 Millionen Dollar (2001 für die „Drei Kerzen“ bei Sotheby's) bis zu den oben erwähnten 20 Millionen Dollar erlebt haben. Dazwischen liegen die 14,3 Millionen Dollar, die ein amerikanischer Privatsammler 2008 für das Gemälde „Zwei Liebespaare“ bot. Doch wider Erwarten finden auch heute nicht alle großformatigen abstrakten Bilder in den preistreibenden Auktionen ihre Abnehmer. Entscheidend sind die Farben: je bunter, desto marktläufiger.

Die Ausstellung „Gerhard Richter - Panorama“ in der Berliner Nationalgalerioe umfasst insgesamt 135 Bilder des Malers. Quelle: AFP

Die Ausstellung „Gerhard Richter - Panorama“ in der Berliner Nationalgalerioe umfasst insgesamt 135 Bilder des Malers.

(Foto: AFP)

In Ergänzung zur Nationalgalerie zeigt der Sammler Thomas Olbricht in seinem „Me Collectors Room“ seine eigene Sammlung von 150 Graphiken, Editionen und Multiples, die Gerhard Richter 1965 bis 2011 geschaffen hat. Sie sind die polystilistische Visitenkarte des Gesamtwerks. Vom Zeitungsdruck bis zum übermalten Foto finden sich hier alle erdenklichen Varianten einer technischen Vielseitigkeit, in der das Experimentelle neben dem drucktechnisch Versierten steht. Auch hier schlägt sich der latente Dualismus von realistischer und abstrakter Bildfindung, von Farblust und strenger Reduktion nieder.

Die Umsetzung prominenter Gemälde in Graphik bietet Überraschungen. Die Klorolle erscheint hier weniger trivial als in dem gleichnamigen Gemälde von 1966, während die herabschreitende Ema als riesige Cibachrome-Fotografie kaum noch die Sinnlichkeit des Originals verströmt. Die See- und Wolkenstücke bewahren auch im Offset ihre suggestive Wirkung, und die siebgedruckte Serie der Schweizer Alpen, die Olbricht 2010 in der Vogel-Auktion bei Lempertz erwarb, steigert ihre Bildwirkung durch magischen Zoom-Effekt.

Schon bevor die Richter-Retrospektive ihre Berliner Station erreichte, ist im Verlag Hatje Cantz der erste Band des Catalogue raisonné der Gemälde Gerhard Richters von Dietmar Elgar erschienen. Er löst Kontroversen aus, weil er mit dem 1962 datierten Gemälde „Tisch“ beginnt und die noch in den späten 1950er-Jahren in Dresden entstandenen Werke ausspart.

Auch dieses Frühwerk, so wird moniert, gehöre zum Gesamtwerk. Darunter gibt es Wandbilder, die in pathetischem Stil den Arbeiterkampf und die Jugend feiern. Diesen Stilsprung vom sozialistischen Realismus zum „kapitalistischen Realismus“ Düsseldorfer Prägung hat der Künstler tatsächlich erst 1962 definitiv vollzogen. Dazwischen standen noch eher misslungene Versuche, sich den Tachismus anzuverwandeln. Man kann diesen „Richter vor Richter“ noch in alten Ausstellungskatalogen finden.

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