Gerhard Richter wird 85
Stillosigkeit als Stil

Gerhard Richter wird 85. Heute der teuerste europäische Maler, begann Richter seine Karriere an der Düsseldorfer Kunstakademie - und als Karnevalswagenbauer.
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Gerhard Richter gilt als Superstar auf dem Kunstmarkt. Der medienscheue Maler, der heute seinen 85. Geburtstag begeht, ist der teuerste lebende Künstler in Europa. Seine abstrakten wie seine fotorealistischen Gemälde erzielen auf dem Weltmarkt Spitzennotierungen von 41,1 und 33 Millionen Dollar.

Doch der in Köln lebende und arbeitende Maler wird nicht müde, diese Rekordpreise als „überzogen“ zu geißeln. Denn nicht er, sondern der Verkäufer profitiere von der Wertsteigerung. In seiner Stammgalerie Marian Goodman notieren jüngste Werke noch im niedrigen Millionenbereich – doch nur profilierte Sammler haben eine Chance, diese zu erwerben.

Gerhard Richter floh 1961 mit 29 Jahren nach seinem Malereistudium in Dresden nach Düsseldorf, wo er ein Flüchtlings-Stipendium der Kunstakademie erhielt. Als die figurative Malerei in Westdeutschland noch tabu war, führte er 1963 gemeinsam mit Freunden die Pop Art in Deutschland ein und nannte sie keck „Kapitalistischen Realismus“.

Richter schaffte es danach zügig die angesagten Galerien. Gleichwohl musste er anfangs Figuren bauen für Düsseldorfer Karnevalswagen oder ein Jahr als Kunsterzieher in Düsseldorf-Gerresheim unterrichten. Wegbereiter seiner Weltkarriere waren deutsche Spitzengalerien. Als Multiplikatoren wirkten Ausstellungen in den USA (1969: Guggenheim Museum) und vermögende Privatsammler, etwa der Schokoladefabrikant Peter Ludwig oder der kunstsinnige Prinz Franz von Bayern.

Auf popartigen Fotorealismus mit verschwommener Kontur, auf Bilder von Wolken, Vorhängen und Meeresoberfläche folgten „Grauvermalungen“, auf denen nichts zu sehen ist, als vermischte Farbe. Auf leuchtend abstrakte Bilder mit gerakelter Oberfläche folgten Installationen aus Glas und spiegelnd einfarbigen Oberflächen.

Entgegen allen Marketingratschlägen pflegt Richter seit über 50 Jahren den permanenten Stilbruch. Keinen Stil zu haben, ist Richters Stilprinzip geworden. Denn nur so kann er seinen Zweifel an der Darstellbarkeit der Realität ausdrücken. Divergierende Stilphasen zeigt u.a. die aktuelle Ausstellung im Museum Ludwig in Köln (9.2.-1.5.).

Neueste Abstraktionen aus dem Jahr 2016 stellt sie dem gegenständlichen Frühwerk gegenüber, u.a. den „48 Portraits deutscher Geistesgrößen“ oder „Ema (Akt auf einer Treppe)“. 

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