Gerisch-Stiftung
Eine selbst auferlegte Bildungsmaßnahme

Mit der Gegenwartskunst hatten Gertrud und Paul Ströhmer keine Erfahrung, als sie Emil Nolde kennen lernten. Sie betrachteten es als eine Herausforderung. Jetzt hat die Gerisch-Stiftung die Sammlung des Ehepaars rekonstruiert.
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BerlinEmil Nolde (1867-1956) gilt heute als Hauptvertreter des deutschen Expressionismus. Seine ausdrucksstarken, farbsatten Ölbilder zieren Museumssammlungen und sind auf Auktionen heiß begehrt. Doch für Nolde selber war es ein weiter Weg, bis er die ihm gebührende Anerkennung für seine Malerei erhielt und damit auch eine erträgliche wirtschaftliche Existenz bestreiten konnte. In den frühen Jahren vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs war Nolde von der Gunst weniger öffentlicher und vor allem privater Sammler abhängig. Ein Großteil der Kunstkritik ignorierte seine Malerei oder schmähte sie.

Zu der Handvoll Sammler, die bereits vor 1910 Werke von Emil Nolde erwarben, zählte auch das in Neumünster in Schlewwig-Holstein ansässige Industriellenehepaar Gertrud und Paul Ströhmer. Ohne intensiv mit der Kunst der Gegenwart vertraut zu sein, fühlten sie sich rasch von der Kunst des Landsmanns angesprochen. Da die Ströhmers ihre Sammlung im Verlauf der 1920er und 1930er-Jahre aber wieder auflösten, ist die Sammlung Ströhmer, anders als etwa die des Zeitgenossen und Nolde-Freunds Gustav Schiefler, bis heute nahezu in Vergessenheit geraten.

Privatsammlung als Gefäß für Geschichte

Die in Neumünster ansässige Herbert-Gerisch-Stiftung www.herbert-gerisch-stiftung.de

möchte das nun ändern. Zwei Jahre lang hat die Kunsthistorikerin Ulrike Wolff-Thomsen im Auftrag der privaten Kunststiftung die Geschichte der Sammlung Ströhmer erforscht. Die Ergebnisse liegen jetzt vor – in Form eines umfangreichen Katalogs und als Ausstellung. Für sie sind die Bilder dieser Sammlung, so weit das heute noch möglich ist, noch einmal an ihren ursprünglichen Ort zurückgekehrt.

Denn die Villa Wachholtz, in der seit 2007 die Gerisch-Stiftung residiert und ihre Ausstellungen zeigt, ist genau jene Villa, die Paul Ströhmer 1903 für seine Familie und sich bauen ließ und an deren Wänden er seine Kunstsammlung präsentierte. Der damalige Inhaber einer Buntpapierfabrik erwarb zwischen 1903 und 1923 etwa 110 Ölbilder, Aquarelle, Grafiken und Keramiken, wie aus einer Aufstellung hervorgeht, die die Jahrzehnte überdauert hat.

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